Friday, February 23, 2007

Spiegel-Leserdebatte zur Familienpolitik

Bei Spiegel.de gibt es Auszüge aus einer Leser-/User-Debatte über die Familienpolitik und ihre Folgen, wirklich interessant, wie ich finde:
"Jede Frau soll entscheiden können, ob sie zuhause bleibt"

Da werden Gedanken ausgesprochen wie:

"Kinder, die zuhause zu Individuen erzogen würden, werden in der Kindertagesstätte zu einer amorphen Masse degradiert: "Gleichmacherei und Gleichschalterei. Was für eine Verschwendung! Kinder, die zu Hause womöglich noch das Denken, womöglich rebellische, proletarische, gewalttätige, aufmüpfpige, kritische Ideen lernen, die man ihnen dann später mühsam wieder herauskochen muss. Eine elitär gelenkte Herde aus High-tech Schafen, aus enzyklopädischen Ameisen, Rohteig, Biomasse, Schlachtvieh, was es gerade braucht, wird dann von Generation zu Generation einfach neu geschaltet und geformt. Werft, Mütter, werft! Und dann: Lasset los!"


Aber natürlich gibt es auch gegenteilige und gemäßigtere Stimmen.
Ich finde: Lesenswert.

Nachtrag:
Die Diskussion läuft noch:
Krippenplätze für Kleinkinder, Vorschul-Pflichtjahr für alle: Gehen von der Leyens Pläne zu weit - oder übertreiben ihre Kritiker?

13 comments:

larissa said...

Ich glaube, das Problem ist - unter sehr vielen anderen - auch das, dass viele Menschen völlig falsche bzw. eventuell veraltete Vorstellungen von Kleinkindgruppen, Krippen o.ä. haben.

Meine Mutter war zum Beispiel immer gegen Fremdbetreuung unter 3. Dann war sie ja bei Martas geburt bei uns, hat Eliano ein paar Mal in seine Spielgruppe gebracht und meinte, dass sei ja ganz was anderes. Das sei ja einfach wie, wenn sie uns früher zu unseren Nachbarn mit ebenfalls 3 Kindern zum Spielen geschickt hätte.

Zum anderen bin ich aber auch froh, dass mir meine Eltern die Fähigkeit mitgegeben haben, mich gegen den Konform-Druck der Schule zu wehren ;-)

Ansonsten spinnen sich da aber auch einige Leute ganz schön was zusammen.

Katrin said...

Ich hab mir jetzt auch mal ein paar Kommentare durchgelesen, es dann aber doch lieber sein lassen. Ich denke wie Larissa - da reden teilweise Leute über Dinge, von denen sie keine Ahnung haben.
Ich hab so eine ähnliche Erfahrung wie Larissa beim Thema Kleinkindfremdbetreuung gemacht: unser Sohn geht in die Kinderkrippe seit er 16 Monate ist. Meine Schwiegermutter hat darüber mehr als den Kopf geschüttelt und sich kaum noch eingekriegt. Ein halbes Jahr später kamen von ihr dann ganz andere Kommentare: Enkelsohn Nr. 1 (nur ein paar Tage älter als unser Sohn) muss jetzt dringend auch in einen Kindergarten / Kinderkrippe. Sie hat einfach gesehen, wie gut unserem Felix der Krippenbesuch getan hat und tut (und mir übrigens auch). Im übrigen finde ich, dass ausgeglichene Eltern, die mit ihrem Platz im Leben zufrieden sind, ihren Kindern erheblich mehr Halt in kürzerer gemeinsamer Zeit bieten können, als Eltern, die an sich unzufrieden sind und nur zu Hause bleiben, weil das sich in den ersten Jahren so gehört und sich dafür ganz aufgeben.
Jeder muss für sich entscheiden und das Recht haben, ohne Vorverurteilung sein Leben nach eigenem Wissen und Gewissen leben zu können.
Wenn man nach Mixa geht, müssten ja alle Kinder aus der früheren DDR nicht in der Lage sein, ihr Leben zu bewältigen, weil sie ihre Kleinkindzeit mit mehreren Bezugspersonen verbracht haben. Naja, ich hab trotzdem das Gefühl, mein Leben zu bewältigen. Oder bilde ich mir das nur ein? ;-)

Mama Schwaner said...

Man kann es auch krass ausdrücken, oder? Demnächst wird noch die Schulpflicht abgeschafft, weil das ja auch nur Formung der Kinder zu Sklaven des Kapitalismus ist... Ich erinner an die Weltverschwörungstheorie von urbia ;) Da hat wohl jemand zu wenig Dumm-mach-Gas eingeatmet, wenn er auf solche Gedanken kommt. Wahrlich interessant aber mit Vorsicht zu genießen!

Suse said...

Hi,
ich kenne Elianos Spielgruppe nicht - aber ich habe eine Menge Krippen gesehen auf der Suche nach einem Kiga-Platz für Levin. Und da waren keinesfalls nur 3 Kinder zusammen, die spielten, sondern das ist eben eine professionelle Aufbewahrung für Säuglinge, Babys und sehr kleine Kleinkinder.
Ich persönlich habe weder was gegen Krippen noch gegen arbeitende Mamas.
ABER: Ich bin schon sehr gegen eine generelle Verschiebung von Werten und Vorstellungen. Und wenn diese Verschiebung so aussieht, dass es die Norm wird, Kinder spätestens mit 1 Jahr in die Fremdbetreuung zu geben, dann ist das in meinen Augen keineswegs erstrebenswert.
Mal als Beispiel: Wir sind mit einer sehr netten Familie befreundet, die ihre Kinder schon sehr früh in Fremdbetreuung gaben. Den ersten Sohn mit knapp 1 1/2, den zweiten mit 9 Monaten und zwar ganztags (obwohl beide Zuhause sind). Es ist ihre Sache und ich will mir keinesfalls ein Urteil darüber erlauben, ob das wirklich so notwendig ist. Das ältere Kind ist sehr problematisch und versucht permanent durch verschiedene Aktionen die Aufmerksamkeit auf sich zu richten - woran das liegen mag... ich vermag es nicht einzuschätzen. Aber das soll auch gar nicht das Thema sein, sondern: Sie sprachen mich letztens an, warum Lilith denn nicht in die Kita ginge und ob sie bald in die Kita käme (Lilith wird im nächsten Monat ein Jahr alt). Und der Papa hatte tatsächlich kein Verständnis dafür, dass wir unsere Tochter gerne so lange wie möglich Zuhause haben möchten.
Und genau diese Art von Verschiebung der Maßstäbe befürchte ich - eben dass es auch in Deutschland normal wird, Kinder immer früher in die Fremdbetreuung zu geben.

Natürlich ist das Zitat oben vollkommen überzogen - soll es ja auch sein ;-)

Suse said...

@ mama schwaner: Ja, ich denke, besagter User wollte es bewusst krass ausdrücken - eine sogenannte Hyperbel ;-)

Aber Dein Gedanke zum Thema Schule ist interessant - schick mal an die Junge Welt, die machen draus ein Thema ;-)

Karin said...

was mir an solchen debatten immer sehr sauer aufstößt: wieso geht es bei FAMILIENpolitik immer nur um die frau/mutter?
weiso wird nicht an anderen rahmenbedingungen gerüttelt, so dass auch väter mehr zeit für ihre kinder haben?

Natalie said...

Ich kann Karins letztem Kommentar nur zustimmen: Wo stehen denn die Väter in der Pflicht? Es ist doch tragisch, dass noch immer die Frauen "zuhause bleiben", oft weil sie eben tatsächlich weniger verdienen/eine mindere Position in der Berufswelt einnehmen. Derzeit ist die Rede von der "Wahlmöglichkeit", die für Mütter zu schaffen ist...davon sind wir Lichtjahre entfernt. Mensch, da könnte ich mich aufregen!

Natalia said...

Es ist schon eine komplizierte Sache, aber ich finde der Titel ist schon sehr passend: jeder soll für sich entscheiden. Ich kenne wunderbare Kinder die schon sehr früh in die Krippe gingen und viele die bei Mama 3 Jahren waren. Und genauso kenne ich viele furchtbare Kinder bei beiden Betreuungsmöglichkeiten. So was hat nicht viel damit zu tun meiner Meinung nach.
Und wie Katrin schon geschrieben hat, wenn so eine frühe Betreuung so schlimm für die Kinder wäre, wären nicht nur die die in der DDR augewachsen sind, sondern alle Franzosen, Spanier und Belgier der letzten Generationen (um ein paar Besipiel zu nennen) davon betroffen.
Es geht nicht immer und Quantität, sondern auch um Qualität der Zeit, die man mit den Kndern verbringt.
Und genauso wie Karin und Natalie frage ich: und wo sind die Väter in der ganzen Diskussion?

larissa said...

Du hast natürlich recht - Elianos Spielgruppe ist ein Traum - den es in Tübingen wohl öfter gibt. Höchstens 8 Kinder, 2 Erzieherinnen und meist noch 1 Praktikantin.

Ansonsten bin ich aber auch der Meinung, dass man einfach die Möglichkeit haben sollte, so zu Leben, wie man es selbst möchte und wie es für das jeweilige Kind am besten ist. Eliano MUSSTE dringed unter Kinder und seine Mutter braucht dringen Auszeiten.
Wenn Marta etwas unanstrengender wird, bleibt sie auch länger bei mir zu Hause.

Ich bin übrigens selbst erst mit 5,5 Jahren in den Kindergarten gekommen und haben auch keine sozialen oder sonstige Defizite bekommen ;-)

larissa said...

P.S.: Schwierig für einkommensschwache Familien finde ich es übrigens das 2jährige Erziehungsgeld in das einjährige Elterngeld umzuwandeln und dann keine Betreuungsplätze für Kinder unter 3 bereit zu stellen.

Wie soll denn das funktionieren?!

janin said...

ich reagiere immer recht emotional bei diesem thema, vielleicht sollte ich mir deswegen lieber einen kommentar sparen. nur so viel: wer die kleinkindbetreuung verurteilt, spricht frauen, die nicht volle 3 jahre lang spaß am karotte-kartoffel-brei kochen haben, das recht ab, kinder zu kriegen.

Natalie said...

Ist es nicht traumhaft: Hier schreiben sowohl Vollzeit-Mütter als auch berufstätige Mütter und alles läuft harmonisch! Und wer streitet sich? Politiker, die in der Regel das Problem nie hatten (bis auf Frau v.d.L.)! Und der Bischof von Augsburg. :o)

Mama Schwaner said...

Man stelle sich die Diskussion von hier auf urbia vor ;) Oh Gott, ich will jar nicht daran denken, wahrscheinlich gibt es sie schon längst, ich geh´ aber nicht suchen!