Tuesday, June 12, 2007

Militante Fahrradrechtlerin

Wer mich aus Zeiten kennt, in denen ich noch in Urbia den einen oder anderen Beitrag schrieb, der weiss vielleicht, dass in meinem Körper manchmal das eine oder andere Adrenalin-Hormönchen zuviel rumhüpft.
So war es auch heute.
Als ich Levin vorhin von der Kita abholte, sah ich schon aus einiger Entfernung Polizisten auf dem Gehweg an einem Platz stehen und Fahrradfahrer abfangen, die fieser und gemeingefährlicher Weise nicht auf der Straße fuhren. Ich radelte natürlich auch auf dem Gehweg, hatte aber echt keinen Bock auf so eine Aktion und wechselte die Straßenseite. Überfuhr also eine extrem viel befahrene 6 spurige Strasse inklusive Straßenbahn im Mittelteil. Ohne Ampel. Das ist das Verhalten, das die Polizei von mir als verkehrsrechtlich richtig empfindet. Ob ich dabei zwei Kinder im Hänger habe oder nicht, spielt natürlich keine Rolle. In den Augen der Polizisten falsch und 20 Euro teuer wäre mein eigentlicher Plan gewesen, mit dem Fahrrad über den leeren Gehsteig zur nächsten Ampel zu fahren, dort die Straße zu kreuzen und auf der Fahrbahn nach Hause zu radeln.

Aber irgendwie fand ich diese Polizei-Aktion echt scheisse und ich sah einen Fahrradfahrer nach dem anderen der Polizei in die Falle fahren. Und als ich an der Ampel stand, die Danziger Straße runterschaute und dort ein Auto nach dem anderen in 2. Spur PARKEN sah und daran dachte, dass ich mich gleich mit meinen Kindern ständig zwischen die fahrenden Autos quetschen muss, um diesen Zweite-Spur-Autos auszuweichen... musste ich was sagen. Also SCHOB ich mein Rad über die Ampel zu den Polizisten und fragte, was sie da eigentlich machen. Und ob das wirklich angemessen ist, VIER Polizisten hier hin zu stellen, um harmlose Fahrradfahrer abzufangen, die auf einem Gehweg fahren, der so breit ist, dass ich mich wundere, dass man da nicht einfach nen Fahrradweg drauf malt. Und KEIN Fußgänger weit und breit (außer meiner Person), die gefährdet werden könnten. Stattdessen aber in Sichtweite massenhaft Autos auf der Strasse in 2. Spur stehen, die mich und meine Kinder in Gefahr bringen, weil ich denen ausweichen muss!
Na klar, der Polizist war angekotzt, was will die hysterische Ziege und labert ihn voll. Jo, ihr Einsatz wäre es nun aber im Moment Fahrradfahrer zurecht zu weisen, es gäbe ja auch eine Menge unvernöööömpftige Fahrradfahrer! Und wenn er sich um all die Autos in 2. Spur kümmern sollte, in der Danziger Strasse, in der Greifswalder, in der Hufelandstrasse - das wäre gar nicht zu schaffen. Echt nicht. Sie hätten für diesen Bereich nur 10 Polizisten zur Verfügung - wie sollen die das alles schaffen?
WAAAAAS? Und von den 10 Polizisten stehen da VIER, um FAHRRADFAHRER abzufangen? KANN DAS DENN WAHR SEIN?
Ich bin dann gegangen, denn ich fühlte, wie meine Adrenalin-Hormönchen anfingen wilde Tänze aufzuführen und wollte ja noch nach Hause. Ohne Bußgeld für irgendwas.

Aber ich bekam noch meine Befriedigung. Kurz bevor wir Zuhause ankamen, nötigte ein blöder BMW-Fahrer einen armen Fahrradfahrer. Und es kam zu einer Auseinandersetzung, in der ich brav für den Fahrradfahrer als Zeugin aussagte ;-)

Zum Glück bekommen wir gleich Besuch und ich muss weder Haus noch Hof heute noch verlassen - sonst hätte ich Angst, dass doch noch ein Adrenalinchen irgendwas Schlimmes tun würde ;-)

Aber wenn meine Steuerberaterin mich heute nicht so gut bezüglich meiner Zukunft beraten hätte, hätte ich doch glatt noch hauptberufliche militante Fahrradrechtlerin werden können, wa?

Boah, ist das HEISSSSssss...

6 comments:

jette said...

Krieg ich ja schon einen Hals beim Lesen ...

(Die stehn auch oft zu zweit an der Schönhauser/Ecke Gleim, oft zu einer zeit, wo noch sehr sehr wenig Fußgänger unterwegs sind.)

vreni said...

du solltest jedes mal eine mail hierhin schreiben. ;-)
viel glück!

tina said...

Suse ich find dich juuuut!

Suse said...

Hi Jette, ich wundere mich immer wieder, dass die echt nichts besseres zu tun haben, als sich um verkehrswidrige Fahrradfahrer zu kümmern... Mich hielt auch mal eine Polizistin an, die sich in der Stargarder Straße platziert hatte. Und das ist ja nun wirklich keine Straße, die über ein großes Verkehrsgefahrenpotential verfügt. Die sprang damals vor mich (ich mit Kind im Hänger auffem Gehweg) und rief "Halthalthalt, nun? Was haben wir denn falsch gemacht, hm?". Vollkommen lächerlich. Durch massenhaft falschparkende Autos und eine große öffentliche Baustelle hätte ich gar nicht auf die Strasse fahren KÖNNEN. Die sah das dann damals auch ein. Naja, ein endloses Thema...

Vreni: Vielen Dank für den Link, da schreibe ich echt hin.

Tina: Danke ;-)

Karin said...

dieser radfahrer-autofahrer-krieg herrscht hier in wien auch.

gestern hab ich übrigens eine militante fußgängerein erlebt. die straße hier oben bei uns ist eine 30er-zone, an die sich eben nicht jeder hält. die frau ging gestern ganz gemächlich über die straße als ein auto heranbrauste, viel zu schnell. die dame ließ sich aber nicht beeindrucken, sondern wurde noch langsamer, so dass der depp wenigstens abbremsen musste, dann streckte sie ihm drei finger entgegen und rief ihm durchs geöffnete fenster "30er!!!!" rein.

ich hab hier schon als fußgänger so viele brenzlige situationen erlebt, dass ich gar nicht erst anfange, in wien radzufahren.

panke said...

Ich hatte letztens die Gelegenheit, eine Polizistin in der Verkehrsschule Pankow nach etzwas zu fragen, was mich bewegt, seit mein Sohn (7 J.) selbst Fahrrad fährt: wenn er auf dem Gehweg fahren muss, wieso muss ich dann im Schneckentempo auf der Straße neben ihm herfahren? Antwort: ist zwar schwachsinnig, aber aus haftungsrechtlichen Gründen notwendig. Wenn er die Oma umfährt, die aus dem Haus kommt, ist er noch nicht schuldfähig. Fahre ich sie aber um, bin ich dran. So einfach ist das. Und so unlogisch.