Tuesday, October 23, 2007

Verhungernder Hund als Kunstobjekt

Der costaricanische Kreative Guillermo Vargas ließ einen Hund verhungern - vor den Augen der Zuschauer in der städtischen Galerie. Mit Hundetrockenfutter schrieb er an die Wand: "Du bist, was du liest".

Tierschützer sind empört und eine Blogger-Online-Petition fordert einen Boykott des Künstlers und seinen Ausschluss von der Kunstausstellung "Bienarte" im kommenden Jahr. 41.500 Menschen sollen schon unterzeichnet haben.

Der Künstler selbst finde die Reaktion verlogen:
"Wenn ich den Hund als Kunstobjekt vor eine Wand binde, wird er plötzlich zum Fokus. Wenn er in der Straße vor Hunger stirbt, kümmert das keinen."


Und Ihr?
Mehr über die Motive des Künstlers gibts >>> hier.

12 comments:

stadtfrau said...

nee, da wird mir schlecht! ich kann die idee des künstlers nachvollziehen, nicht aber, dass er den hund (bzw. alle die davon wussten) tatsächlich verhungern ließ.

Alexandra said...

Musstest Du mir so ne Horrorstory erzählen? Mir tut alles weh, was Lebewesen angetan wird, die sich nicht wehren können! Und ich lasse keinen Hund verhungern auf der Straße, wenn ich ihn sehe, es kümmert mich sehr wohl!!! Im Gegensatz zur Stadtfrau kann ich leider die Idee des Künstlers nicht nachvollziehen. Ich finde es pervers, so was als Kunst zu bezeichnen!

Cecie said...

ja, ich hab das gestern auch gelesen. was allerdings nicht geschrieben wurde: der künstler hat offen gelassen, ob das tier gestorben ist. tatsächlich war der hund am einen tag da, und am anderen nur noch das leere halsband. ich glaube an den menschen im menschen, und obwohl ich leider weiss, wieviele tierquäler es gibt, möchte ich davon ausgehen, dass er das tier NICHT hat verhungern lassen. und falls doch: der zweck heiligt nicht alle mittel, ganz klar! ich bin gespannt, ob wir davon noch hören - ein bisschen scheinheilig finde ich die reaktionen allerdings durchaus, denn es interessiert leider tatsächlich nur wenige leute, wieviele strassenhunde und -katzen z.B. in südlichen ländern jämmerliche leben und in tierheimen getötet werden.

und jetzt könnt ihr von mir aus steine werfen!

Suse said...

cecie: Ach echt? Siehste, das fand ich auch irgendwie unklar, ob der Hund wirklich starb - denn im Artikel steht ja, dass der Künstler sagte "Ich werde nicht sagen, ob der Hund gestorben ist". Und ich stolperte darüber, denn... ich dachte, man hätte das tote Tier dort liegen sehen und konnte diese Aussagen deshalb nicht verstehen.

Ich kann die Idee übrigens auch nachvollziehen.
Und ich finde, dass Kunst nicht immer nur hübsche Bilderchen sein sollten - sondern dass Kunst etwas ist, dass die Menschen aufhorchen lässt, erschrecken, das sie empört und wütend macht, aufschreien oder auch mal lachen lässt.
Ich persönlich würde dafür allerdings kein Tierleben opfern wollen.

Mama Schwaner said...

Sorry, das hat für mich nichts, aber auch wirklich gar nichts mit Kunst zu tun. Sicher mag er mit seinem Argument recht haben, dass der Hund auf der Straße niemandem aufgefallen wäre. Aber das ist noch lange keine Rechtfertigung, ein Tier mit Absicht und - ja doch - für seine Zwecke verhungern zu lassen.

Cecie said...

öööhm, falls ich mich missverständlich ausgedrückt habe: natürlich darf für soetwas - wie auch für alle andern zwecke - ein tier weder leiden noch sterben gelassen werden! das ist ja mal überhaupt keine frage. ansonsten stimme ich suse zu: kunst soll (auch) aufrütteln, und mag durchaus sein, dass manchmal bisschen was ekliges, anstössiges, nicht buntkuschliges dazu gehört (das töten von tieren allerdings definitiv nicht, ok?).

EvoVIIIMR said...

Es ist schlicht unglaublich, was sich selbstherrliche und sadistische "Menschen" unter dem Deckmantel der Kunst erlauben!!! Dieser so genannte Künstler sollte nie wieder einen Fuss in eine Galerie setzen dürfen.

Wenn von offizieller Seite nichts gegen diesen Kranken unternommen wird, verstehe ich die Welt nicht mehr und warte darauf, dass er mal hier in der CH ausstellt...

Jool said...

Ich finde es unfassbar, was immer wieder Tieren angetan wird. Eine elegante Art, seine sadistische Ader auszuleben. Ich habe dafür keinerlei Verständnis und sehe darin nicht die geringste Kunst. Es ist lediglich ein hinterhältiger Mord an einem wehrlosen Tier.
Wundert mich nicht, das der "Künstler" nichts zum "eventuellen" Ableben des Hundes sagen will. Dann müsste er sich ja noch viel mehr rechtferigen. Obwohl er ja eigentlich wesentlich besser darstehen würde, wenn er zeigen könnte, dass der Hund seine Quälerei überlebt hat. Aber das kann er natürlich nicht!

Elmi said...

Was mich irritiert ist, dass hier keiner die Besucher der Galerie anprangert, die scheinbar das Leid des Tieres gesehen haben, aber nichts dagegen getan haben. Es scheint also nicht nur in unserer Kultur die "Wegseher" zu geben, sondern überall. Klar ist, was der Künstler hier getan hat, oder zumindest vorgespielt hat (wir wissen ja nicht was wirklich mit dem Tier passiert ist) ist schrecklich und in meinen Augen auch verachtenswert, aber auf der anderen Seite sind auch die, die einfach dran vorbeigehen und sich dann hinterher beschweren wie brutal und grausam seine "Kunst" ist nicht weniger grausam.

Hans-Jörn said...

Okay, ich bin dan mal der Krasse hier. Ich habe gedacht, der Hund waere auch gestorben. Nehmen wir mal an, er ist gestorben.

Ich gehe kaum davon aus, dass es Kunst ist, und trotzdem kan man es als Kunst interpretieren. Kunst als Ausdrucksart vom Leben, "Art immitates Life". Ich wuerde es eher als eine Art Revolte klassifizeiren.

Es ist aber auch sehr interessant, dass keiner der Zuschauer etwas getan hat. Aber auch mal davon abgesehen, was wollte Der "Kuenstler" ausdruecken?

Im Link den Suse angibt steht drin, dass er angeblich auf den Tod eines Mannes hinweisen wollte, den auch keiner verhindert hat.

Was mir zuerst in die Gedanken kam, war wie mir mein Vater berichtet hat, dass in einigen Staedten in Sued Amerika Strassenkinder nachtsueber erschossen werden und wegtransportiert werden, da es einfach zu viele von ihnen gibt. Die leben und sterben wie Hunde auf den Strassen und keiner kuemmert sich je um die Kinder.

Da kommt nun schon wieder eine sehr krasse Frage auf, "Ist es "menschen"-wuerdig einen Hund sterben zu lassen, um das Leben vieler Kinder zu retten?" (oder auch Hunde, aber wer will sich um die sterbenden Hunde kuemmern, wenn Tausende and Kindern auf den Strassen sterben.

Ich kann den Kuenstler schon verstehen, finde es aber sehr krass wie er das zum Ausruck gebracht hat.

Susi Sonnenschein said...

Sorry, das ist einfach keine Kunst mehr, sondern reine Sensationshascherei. Wenn der gute Mann der Meinung ist, daß es schlimm ist, daß auf der Straße unbeachtet Tiere verhungern - das ist schlimm, keine Frage - dann rechtfertigt das aber immer noch nicht, ein Lebewesen unnötig grausam zu behandeln. Widerlich ist das.

stadtfrau said...

erinnert ein bisschen an das orgien-mysterien-theater von hermann nitsch. da gibt es ja auch alljährlich in den (österreichischen) medien die diskussion, ob das nun kunst ist.

z.b. hier (2005 im burgtheater): http://www.sueddeutsche.de/kultur/artikel/807/64743/

ich denke da wie suse: kunst darf/muss verstören und emotionen wecken und kontrovers sein. die heute vielgeliebten impressionisten waren zu ihrer zeit auch umstritten (der vergleich hinkt, ich weiß).