Tuesday, January 29, 2008

Gimme more

Gestern machten wir uns auf die lange Reise per S-Bahn zu meinem Vater nach Lichtenrade, um den zu bekochen - denn Frau und Oma ist gerade bei der Uroma, die Ihren 91. Geburtstag feierte. Und so lange S-Bahnfahrten können ein ganzes Soziologiestudium ersetzen. Naja, wenigstens so 2 bis 3 Semester.
(Ich will dabei gar nicht verhehlen, dass wir - Mudda mit zwee Kindern - auch ein amüsantes Bild abgeben: Mutter liest 4.000.000 Bücher vor, während Sohn mit Gummi-Schwert rumfuchtelt und zischt "Ich bin ein gefährlicher Pirat!" und die zuckersüße, zarte Tochter, mit ihrer wirklich unerwartet LAUTEN Stimme jedes vorgelesene, für sie aussprechbare Wort in MAXIMAL-Lautstärke wiederholt. Ein Mann setzte sich übrigens ob der letzten Tatsache von uns weg - was ich gut nachvollziehen konnte. Aber mir ist das Glück ja nicht vergönnt, mich von meinen Kindern mal so 2 Minuten wegsetzen zu können. Und Aufrufe ans Kind, die Stimme etwas zu senken, haben eben auch nur kurzfristigen Erfolg. Und egal was andere Menschen/Eltern/Erziehungswissenschaftler sagen mögen: Mehr kann man von einem nicht mal 2 jährigen Kind auch nicht erwarten.)

Alle erzählenswerten S-Bahn-Beobachtungen zu schreiben, habe ick jetze keene Zeit. Aber auf dem Rückweg kam ein Punker-Mädel durch die Reihen und wollte Geld. Es ist mir natürlich bekannt, dass ich immer und überall Geld abzugeben habe, solange ich den Luxus besitze, in einer warmen Wohnung zu wohnen, jeden Tag Essen auf dem Tisch zu haben und mein Dispo-Kredit noch 2, 3 Euro Abhebung zulässt. Aber irgendwie war mir gestern nicht nach uneigennützer Spende und ich war müde und genervt, Kinder noch müder und genervter - und gab nichts. Dann kam ein Typ ins Abteil mit Gitarre (innerlich genervtes Aufstöhnen, bitte keine ungewollte und aufgedrängte Live-Musike, jüngeres Kind war gerade am Einschlafen), der dann einen selbstgetexteten Song zum Besten gab - der nun nicht umwerfend und hohe Kunst, aber einfach lustig und nett gemacht war (irgendwas über seine Gitarre "mein Mädchen", mit der er andere Seiten/Saiten aufziehen wollte). Die Kids waren mit einem Schlag gut gelaunt, Levin lachte und sagte "Der ist aber lustig, der Mann!". Tja, und dem gaben wir und viele andere Leute dann Geld.
Und das Punker-Mädel gröhlte uns alle an: "Ihr Arschlöcher, nur weil der auf seiner verfickten Gitarre rumröhrt, gebt ihr DEM Geld, dumme Arschlöcher, ihr!"

Ja, stimmt. Irgendwie finde ich es zuweilen nett, selbst entscheiden zu dürfen, was ich mit meinem Geld mache und wem ich es gebe - und gestern fand ich es echt logischer, es dem Mann zu geben, der den Kindern eine Freude machte, als der Frau, die uns unfreundlich befahl, Kohle rauszurücken (ist mir übrigens egal, ob die nen beschissenen Tag hatte, den hatte ich auch).

8 comments:

eine Familie wie andere auch said...

Ach wie wunderbar! Und auch so lehrreich so eine Fahrt im ÖNV, da können die Kinder noch einiges an Umgangsformen und Vokabular lernen...

Cecie said...

urgs. mir musste dat ja nich erzählen, oder doch!? ich weiss schon, wieso ich gern in B auto fahre, auch wenns oft unnötig erscheint und/oder nervig ist...

wünsch dir für heute bessere nerven - liebe grüsse!

Eva said...

he he, du kannst ja rischtisch konsequent sein ;-))).

püppilottchen said...

schöne story zum dienstag vormittag, hast du klasse geschrieben! kann ich auch supergut nachvollziehen, denn wenn ich mal auf tantenbesuch in B bin, nerven mich die diversen "belustigungs"- & "anschnorrversuche" mancher mitmenschen auch manchmal sehr. andererseits ist es auf oft sehr amusant...

lg, nicola

antiteilchen said...

Schön erzählt ;-)

Nic said...

ach suse, ich lese so gern bei dir, ich erkenne so oft mich und meine "launen" in deinen zeilen wieder.

und beim s-bahn fahren ist es wohl egal, ob in B oder in HH... ;o)

lieber gruß
nic

Suse said...

Naja, Berlin is ebn rischtisch geil ;-)

glasfaden said...

Kann Dir nachfühlen, obwohl ich nur ein Kind hab :-)
Danke für die Musik - ich muss mal endlich Berlin besuchen..