Tuesday, February 19, 2008

Supermuttis

Naja, niemand ist sich so spinnefeind, neidet und versucht sein Gegenüber so sehr zu übertrumpfen - wie Mütter andere Mütter.
Ist nicht neu - aber die Autorin des "Lehrerhasserbuches" hat sich des Themas angenommen und ein Buch drüber geschrieben: "Supermuttis. Eine Abrechnung mit den überengagierten Müttern"

Auch wenn mich andere Mamas möglicherweise für eine überengagierte Mutter halten ;-) - fühle ich mich bei diesen Themen ehrlich gesagt nicht so angesprochen. Ich versuche natürlich auch möglichst Vieles richtig zu machen - zum Wohl des Kindes plus Überlebensmöglichkeiten für mich ;-). Aber insgesamt habe ich diesen Perfektionsanspruch nicht so. Möglicherweise hängt das damit zusammen, dass ich nie Mutter werden wollte. Ich bin zwar in vielerlei Hinsicht Perfektionistin - aber ich habe irgendwie nicht das Gefühl, Mütteransprüchen der Gesellschaft und meiner Familie entsprechen zu müssen/können. Sicher auch, weil man in meiner Familie seit Jahren bis heute irgendwie echt erstaunt darüber ist, dass ich überhaupt Mutter wurde - und dann auch noch zweifache und das zweite Mal sogar noch gewollt und geplant.

Aber ich kenne einige Mamas, die wirklich großartige Menschen und Mütter sind - die an ihren eigenen Ansprüchen/den ihnen aufdoktrinierten... naja, nicht verzweifeln, aber doch leiden. Und deshalb ist das Thema einfach wichtig. Nicht zuletzt, weil die nächste Generation eben anders aussehen wird, wenn sie von zufriedenen Müttern erzogen wurde - als von unzufriedenen, zerrissenen und verzweifelten. (Jaja, die Väter gibt's natürlich auch noch).

Ich werde das Buch nicht lesen. Ich würde, wenn ich die Zeit dazu hätte - aber da ich sie nicht habe, gibt's bei mir noch ein paar andere Bücher, die mir gerade wichtiger sind.
Aber für die Mamas, für die das ein Thema ist - könnte das Buch ein guter Tipp sein. Ich bekam es von einer entfernt bekannten Therapeutin empfohlen, die viele Workshops rund um familiäre und Kommunikationsprobleme gibt und viel nach dem Prinzip der Familien-Konferenz nach Gordon arbeitet.

Wenn jemand das Buch schon kennt - ich wäre an Meinungen echt interessiert :-)

10 comments:

Alexandra said...

Von diesem "Kampf" der Supermuttis habe ich in den Medien auch schon viel gehört. Aber ich gehöre genausowenig dazu, wie Du. Wahrscheinlich auch, weil ich nie Mutter werden wollte, genau wie Du. Ich würde sogar ein zweites planen, wenn es uns möglich wäre. Aber ich bin nicht ganz von dieser Theorie überzeugt. Es ist sicherlich auch einfach eine innere Einstellung zum Thema Mutter. Jede Mutter (sofern sie nicht "krank" ist), wird stets das Beste für ihr Kind tun, jeweils aus ihrem Informationsstand und ihrer Intuition hinaus.

Dass sich das Beste natürlich bei jedem anders definiert, ist klar, denn es gibt keine allgemein gültige Regel. Und wenn ich bedenke, wie viele Massen an Ratgebern ich las, als ich schwanger war, aus Angst, ich könnte was falsches tun, so muss ich sagen, war genau dies das Falsche! Es hat mich nur verwirrt und irritiert.

Auf jeden Fall ist es ganz klar, dass jede Mutter anders handelt und die Dinge anders bewertet. Aber man darf auch nicht vergessen: jedes Kind ist anders!!! Was für das Eine gut ist, muss für das andere noch lange nicht passen. Und ich würde mir eher die Zunge abbeissen und etwas bei einer Mutter kritisieren, bevor nicht wirklich irgendwie Gefahr im Verzug ist. Ich möchte keine Supermutti werden und ich brauche diesen Anspruch auch nicht. Ich werde glücklich sein, wenn meine Tochter mich auch noch liebt, wenn sie erwachsen ist!

Diesen beschriebenen Supermuttis bin ich aber bisher Gott sei Dank auch noch nicht begegnet! Und ich kann auch darauf verzichten!!!

püppilottchen said...

kenne das buch auch nur aus den medien, habe aber "die gute" heute morgen zufällig im frühstücksferns. von sat.1 gesehen und was sie so erzählt hat, hatte durchaus sinn & verstand - denke also, wer noch tief im mütterthema drinsteckt, der findet sicher ein lesenswertes buch. bei uns isses wohl zu spät :) ... und ich bin froh, dass ich mich nicht mehr ständig mit anderen supermuttis messen muß. als zwillingsmutter kann man sowieso nichts perfekt machen, da fehlt schlicht die zeit und da ich ja schon mit 21 mama war, habe ich sowieso vieles aus dem bauch und ziemlich entspannt gemanagt und auch ohne tausend ratgeber unsere mädels "erzogen"... hat auch geklappt. wichtig ist doch letztendlich nur, dass man sich selbst treu bleibt, damit man authentisch bleibt - oder?!

lg, anti-supimutti, nicola

Natalie said...

Ich bin zu sehr Mutti, um Zeit für dieses Buch zu haben, ha, ha ;o).

Lustigerweise gab es in meinem Familien- und Freundeskreis immer den netten Spruch über mich "Was wird sie wohl eher haben, ein Kind oder einen Führerschein?" (grinsend von allen mit "weder noch" beantwortet)..so vehement habe ich mich gegen beides ausgesprochen.
Und nun hat das eine das andere mit sich hergezogen, beides wurde mit Überraschung aber auch großem Respekt zur Kenntnis genommen...und in beidem nerve ich gelegentlich mit Anfällen von Perfektionismus ;o). Es gibt grundsätzliche Debatten (Stillen u. Ernährung, Medienkonsum etc.), da weiche ich kein bischen und bin auch sturköpfig überzeugt. Aber in den letzten drei Jahren habe ich so viele unterschiedliche Mütter kennen gelernt, so viele unterschiedliche Kinder - und ich habe gelernt, mich ausnahmsweise zurück zu halten. Sie sind alle Supermuttis auf ihre eigene Art und Weise!
Gleichzeitig ist das Muttersein das unsicherste Gebiet für mich, weil es eben mit den meisten Ängsten verbunden ist...und genau darauf bauen ja solche Bücher. Daher bin ich auch eine begeisterte Ratgeber-Leserin, ich gebe es zu...aber dieser "Kampf" ist doch eine sehr medien-gepuschte Geschichte. Wäre interessant, wenn sich tatsächlich ein Leser melden würde ;o).

Feuervogel said...

Ich frage mich bei dieser ganzen Diskussion immer, wie die Mütter eigentlich früher mit solchen Themen umgegangen sind. Hat man sich da auch so abgeschottet? War es da ebenfalls ein Konkurrenzkampf? Durfte man da auch auf keinen Fall anderen Müttern sagen "du das fand ich jetzt aber gar nicht gut"? Da muss ich doch direkt mal recherchieren ... denn wirklich viele schriftliche Ratgeber wird es ja in den 40ern/50ern/60ern/70ern noch nicht gegeben haben. Und irgendwoher muss schließlich jeder lernen, wie man so ein Kind bedient. Nur eines nehme ich mal felsenfest an: Dass es immer schon diese gräulichen Mamas gab, die auf jede Sorge nur ein "also SOOOWAS gibt es ja bei UUUNS nicht" übrig haben. Die sind die schlimmsten, aber davon kenne ich gerade mal eine. Und das ist doche in guter Schnitt ...

Kirsten said...

Tja, was soll ich sagen, ich glaube, ich nähere mich ganz gefährlich der "Supermutti", so wie die Autorin das definiert.

Ich finde es gerade im Themenbereich "Kinder" viel schwerer als in anderen Bereichen, Toleranz zu zeigen. Das mag daran liegen, daß die eigenen Kinder ein hochempfindlicher, ganz persönlicher Bereich sind und jede Mutter natürlich versucht, ihre Sache so gut wie möglich zu machen. Selbstverständlich muß man dann auch an die Methoden und Wege glauben, die man für sich selbst und seine Familie gefunden hat, und einigermaßen dahinterstehen. Wenn man dann sieht, das jemand ganz andere Wege geht und die Kinder dann ein Verhalten zeigen, daß vielleicht nicht unbedingt das Gewünschte ist ... ich muß dann manchmal tief durchatmen. Supermutti?

Mir fällt es ganz ehrlich manchmal schwer, den Mund zu halten, obwohl ich früher "suum cuique" am liebsten zu meinem Lebensmotto gemacht hätte.

Wenn Mama genervt den das 1 1/2 Jährige anmeckert "Finger weg von der Steckdose, ich hab Dir das doch schon 1000 Mal gesagt, warum kannst Du nicht hören?" oder wenn Gastkinder das komplette Essen verweigern mit dem Hinweis "Ich esse nur Nutellabrot und Brezeln" dann drängt die Supermutti in mir heraus und bringt den Besserwisser gleich mit.

Ach, verdammt mich nicht, mich Arme, ich meins doch nur gut.

Kikkilotta

Natalia said...

Da ich, so zusagen, zwsichen 2 Kulturen lebe, finde ich so eine Diskussion schon sehr interessant. Hier in Deutschland gelte ich als die super entspannte, lockere, fast antiauthoritäre (oder wie auch immer das geschrieben wird) Mutter, die ihr Kind einiges erlaubt. Verglichen mit den Kindern unseren Freunde wird Max fast rundherum verwöhnt: er darf Süssigkeiten essen (natürlich nicht rund um die Uhr, aber er hat Freunde, die schon 4 sind und noch nie Nutella, Chips oder Kaugummi probiert haben), auch TV ist bei uns schon lange kein Tabu (gute 30 Minuten täglich sind es bestimmt. Im Sommer so gut wie gar nicht und am WE oder bei Krankheiten darf er etwas mehr gucken. Max hat Freunde, die erst jetzt wissen, wofür der Fernseher da ist, aber nur als absolute Ausnahme mal was gucken dürfen), er muss ordentlich essen, darf aber aufstehen wenn er fertig ist, ohne auf uns zu warten und so einiges mehr. In Spanien im Gegenteil gelte ich als die super strenge Mutter, die ihr Kind nur ab und zu Süssigkeiten erlaubt, die sein Fernsehkonsum kontrolliert (nicht nur wie lange, sondern was geguckt wird, entscheide ich), die darauf besteht, dass er das isst, was auf den Tisch kommt, usw. So relativ ist also das Bild einer Supermutti :-)
Ich versuche aber sowohl hier als auch in Spanien, die Wege andere Familien zu respktieren, aber ich gebe zu, dass es mir in Spanien ab und zu sehr schwer fehlt (Babys, die mit 6 Monate vor dem Fernseher "geparkt" werden, weil die Baby Einsteins Babys sooo fördern, machen mich ziemlich wütend, z.B.)
Vielleicht sollte ich das Buche lesen.

kaanu said...

Ich habe ein schon ein sehr großes Problem mit dem Begriff "Supermutti" an sich. Der ist ja sehr negativ behaftet. Dabei sind wir doch alles supere Muttis, den unsere Kinder liegen uns am Herzen und wir machen uns Gedanken um sie und ihre Glückseligkeit/Gesundheit. Und wie Natalie sehe ich auch die Sichtweise als entscheidend an. Für manche mag ich - im negativen Sinn - als Supermutti gelten, weil ich ziemlich viel über Testergebnisse, empfohlene Nahrungsmittel weiß bzw. versuche, in Erfahrung zu bringen. Für andere bin ich die Rabenmutter schlechthin, weil ich meine Kids schon früh in fremde Hände gebe und das Arbeiten vorziehe. Von meinen Eltern höre ich dafür immer wieder, dass sie es unglaublich finden, wie toll ich mit unseren Kindern umgehe und wie ich sie "auf- bzw. erziehe". Selbst mein kinderloser und erziehungstechnisch überkritischer Bruder drückte letztens seine Bewunderung darüber (bei dritten) aus. Was bin ich jetzt?
Negativ sind für mich verkrampfte Mütter, bei denen alles auf Perfektion und optimale Förderung getrimmt ist.
Für mich ist das entscheidende zum Mutterglück eine gewisse Portion Gelassenheit und ganz viel Aufmerksamkeit für die Kids. Wirkliche richtige überzogene Perfektionsmütter (die wahrscheinlich mit Supermutti gemeint sind) gibt es sicher nicht sooo viele.

Kirsten said...

@natalia: ja, genau, das meine ich! Babys mit 6 Monaten vor dem Fernseher parken, das würde mich auch wütend machen. (Übrigens *flüster* ich hab auch einen Max der Süßigkeiten ißt und Fernsehen schaut)

@kaanu: super Definition, die nehme ich: "verkrampfte Mütter, bei denen alles auf ... optimale Förderung getrimmt ist"

Und beschließe hiermit, daß wir keine Supermuttis sind, sondern verantwortungsvoll.

Anne said...

Ich stimme der Meinung zu, dass das ein medial gepushtes Thema ist. Oder ich betrachte es einfach nur von der entsprechenden Perspektive, die bei dem angeblichen Konkurrenzdruck außen vor bleibt. Ich würde es nicht unbedingt als Kampf unter Müttern sehen, sondern empfinde es tendenziell eher immer wieder ungewöhnlich, wie sehr meine Handlungsweisen, seit ich Mutter bin, der öffentlichen Bewertung ausgesetzt sind. Aber diese Bewertung kommt eben nicht (nur) aus Richtung anderer Mütter. Die kommt vom Kinderarzt/diametral dazu von der Hebamme/Heilpraktikerin (Impfen, Fluorgabe, Beikost, Vitamin D...), von der Schwiegermutter/Schwägerin (witterungsgerechte Kleidung, kindgerechte Urlaubsgestaltung, familienfreundliche Wohngegend...) oder von noch weniger "intimen" Kontakten (Spielplatzbekanntschaften, aber nicht nur Mütter!).
Wie sehr ich mir das aber zu Herzen nehme, ist doch meine Sache, und wenn ich das als Einmischung von aggressiven Konkurrentinnen um den Status der "Supermutter" bewerte, heißt das ja nur, dass ich offensichtlich selbst unsicher bin und zum Perfektionismus neige.

Ich denke auch, dass das hauptsächlich ein Thema von Einkindmüttern ist, wenn man mehr als eins hat, gehen die Ansprüche sowieso im Kampf um die Balance zwischen halbwegs gut versorgten Kindern und ein bisschen Rest von Selbstbestimmung verloren ;-).

Einzig in den berüchtigten Mütterforen sehe ich so ein bisschen Supermüttermafiositum, aber dem kann man ja recht einfach aus dem Weg gehen und sich ansonsten gezielt darüber amüsieren, oder?
Ein schönes Wochenende wünscht
Anne

Chrizzo said...

Hallo, ich schau seit zwei/drei Wochen erst hier vorbei und war bislang still. Mich interessiert die Art und Weise des Mütterumgangs aus der Distanz heraus (wir leben in Brasilien, kommen aber wohl am Ende des Jahres wieder zurück) und daher bin ich begeistert von den anderen Kommentaren.
Natalia: Mir geht es ganz ähnlich wie Dir, in deutschen Augen bin ich die sehr lasche Mami, aber in brasilianischen Augen bin ich so ein Zwischending zwischen sehr streng und lasch oder vielleicht komplett verroht. Unser kleiner Mann läuft nämlich auch schon mal Barfuß auf Steinen und darf sogar mit Dingen aus der Natur spielen. Außerdem gibt er noch kein Küsschen, also auf Befehl. Und er spricht noch nicht, was bestimmt daran liegt, dass ich allein auf ihn achte und nicht noch ein Kindermädchen geschweige denn, dass er schon mit anderthalb in einen Kindergarten geht, die hier "escolinha" "Schulchen" genannt werden. Tips bekomme ich dann immer von anderen brasilianischen Müttern nebst Empfehlungen für Tageseinrichtungen (denen ich ja gar nicht abgeneigt bin, aber ich arbeite nun einmal nur sehr wenig...). Fakt ist, dass die Kinder hier viel verglichen werden, es zwar eine sehr kinderliebe Gesellschaft ist, aber von Kindern auch in bestimmten Altern schon ganz spezifische Dinge erwartet werden.