Friday, April 18, 2008

Kuckuck!

Erstaunlich und irgendwie auch ein bisschen erschreckend: jedes 5. bis 10. in Deutschland geborene Kind soll ein so genanntes "Kuckuckskind" sein - dem Vater also als sein eigenes, leibliches Kind untergeschoben worden sein. Schreibt Spiegel online.
Und 40.000 (!) Väter lassen jedes Jahr in Deutschland heimlich einen Vaterschaftstest machen. Das sind somit 40.000 Kinder, die möglicherweise das Gefühl haben müssen, dass irgendwas in der Familie oder eben im Bezug auf die Vaterbeziehung nicht stimmt. Und in 25% aller Fälle bestätigt sich der Verdacht, dass das Kind eben einen anderen Vater hat. Das sind dann also 10.000 Kinder, deren heile Welt oftmals zusammenbricht - denn in erschreckend vielen Fällen wenden sich die Plötzlich-nicht-mehr-Väter vom Kind ab. Und seit neuestem können sie "Schadensersatz" bezüglich gezahlen Unterhaltes geltend machen.
Natürlich gelten diese Zahlen für eine Menge Fälle, in denen die Verhältnisse schon lange nicht mehr ideal waren, die Eltern getrennt leben, Väter Unterhalt zahlen usw. Aber es gibt eben auch eine nicht unbeträchtliche Zahl an bisher wenigstens einigermaßen funktionierenden Familien, die an dem Ergebnis eines Vaterschaftstestes zerbrechen. Heile Kinderwelten, die zerstört werden, weil das genetische Material nicht stimmt. Bzw: Das genetische Material des Kindes eben nicht von dem Mann stammt, den es bisher für seinen Vater hielt.

Um ehrlich zu sein, dachte ich eine ganze Weile, dass sowas in meinem Freundes- und Bekanntenkreis nicht so eine enorme Rolle spielen würde. Man fühlt sich auf (und ab-)geklärt, weiss, dass eigentlich der soziale Vater das Wichtige fürs Kind ist - viel wichtiger als irgendein genetisches Material. Aber vor ein paar Jahren habe ich recht erstaunt eben genau das Gegenteil erlebt - bei einem Bekannten von mir, der ansonsten eigentlich nach rein logischen Prinzipien lebt. Der ganz plötzlich anfing zu zweifeln - und zwar aufgrund der Augenfarbe seines Sohnes, die auffällig ist und so weder in der Familie der Mutter noch des Vaters vorkommt (was ja nicht zu heissen hat - schließlich erlaubt sich die Natur zuweilen erstaunliche Scherze. So gibt es ja - wenn auch sehr selten - die Tatsache, dass ein Mann mit weißer Hautfarbe mit bekannten weißen Vorfahren mit einer Frau mit weißer Hautfarbe mit bekannten weißen Vorfahren ein farbiges Baby zeugen kann. Ohne dass ein fremder Gen-Pool mit im Spiele war ;-)). Und diese Zweifel waren ganz offensichtlich sehr, sehr belastend für ihn. Wobei ich im Nachhinein nicht weiss, ob die Ungewißheit belastender war - oder die Furcht davor, dass das geliebte Kind nicht sein eigenes sein könnte.
Ich weiss nicht, wie sich diese Geschichte weiter entwickelte, wir haben nur sehr sporadisch Kontakt und ich fand es drum etwas unpassend, dieses sensible Thema wieder anzusprechen.

Aber wie kommt es eigentlich, dass ein liebender Vater (der allerdings eben schon seine Zweifel mit sich herum trug) sich im schlimmsten Falle plötzlich von seinem Kind abwendet? Weil es eben nicht sein genetisches Material in sich trägt? Sind wir... ähem... die Männer ;-) unseren Vorfahren wirklich noch so eng verbunden, dass Fortplanzung unbedingt und immer mit der Verbeitung des genetischen Materials verbunden sein muss? Ist es das Gefühl, betrogen worden zu sein? Nun wurde der Mann ja von der Frau betrogen... nicht vom Kind.
Oder ist es eben dieses ganz Archaische: Das Kind ist nicht mein Fleisch und Blut. Und das zählt.
Denn Blut ist schließlich dicker als Wasser.

Im Tierreich ist man bezüglich dies Themas eindeutig: Wenn sich ein Löwe eine neue Löwin zur Familienplanung sucht - und jene Junge von einem anderen Löwen hat, werden diese kurzerhand tot gebissen.
(Obwohl es natürlich auch den Fall der schwulen Flamingos gab, die Eier anderer Flamingos adoptierten und also Flamingo-Babies mit fremdem Genmaterial großzogen ;-))

8 comments:

Fabelhafte Kleinigkeiten said...

Ich finde es richtig, das Väter denen ein Kuckucks Kind untergeschoebn wurde den Unterhalt von richtigen Vater fodern können. Aber ich war auch sehr geschockt als ich hörte wie viele Kinder Kuckucks Kinder sind. Gibt es keine Treue mehr? Eigentlich traurig.

GLG Steffi

Feuervogel said...

Ich glaube, die Lösung ist ganz einfach: Die Väter wenden sich nicht vom Kind ab - an dessen Gefühle denken viele Menschen einfach wenig bis gar nicht - sondern von der Frau, die ihnen den Betrug angetan hat. Damit kommen einfach ganz viele Menschen überhaupt nicht zurecht. Und ein heimlicher Vaterschaftstest impliziert ja eben auch eine heimliche Nebenbeziehung. Immerhin wenden sich auch genügend Menschen ohne mit der Wimper zu zucken von ihren leiblichen Kindern ab - selbst dann, wenn diese das gleiche genetische Material haben. Und ich kenne auch Väter, die ihr Kind noch nie gesehen haben, weil sie jeden Kontakt ablehnen, weil die Zeugung quasi "abgelugst" war. Ich werde das auch nie verstehen, was können die Kinder dafür?

seemownay said...

Das Problem ist wohl einfach, dass die Kinder immer das schwächste Glied sind und häufig zum Spielball der Emotionen werden.
Ist es denn so wichtig ob es nun MEINS ist oder nicht? Das Tolle ist doch, miterleben zu dürfen wie aus einem "hilflosen Etwas" ein Mensch mit vielen Fähigkeiten und Charakter wird.

[Ines] said...

Mich würde mal die Meinung von einem Vater interessieren der betroffen ist. Ist schon klar das wir das nicht verstehen, wir Mütter.

Aber das es so viele Kuckuckskinder sind. Wow.

Su said...

Hart aber ehrlich: ich bin dafür, dass direkt nach der Geburt pauschal bei jedem Kind ein Vaterschaftstest gemacht wird.

So wären die Frauen, die ihren Partner betrogen haben, gezwungen schon in der Schwangerschaft, spätestens aber zu dem Zeitpunkt Farbe zu bekennen.
Ich meine, Zeit genug ist ja dafür vor der Geburt! Und wenn man den Mut hatte fremd zu gehen und dabei schwanger wird, dann sollte man eben auch den Mut haben, dem Partner das zu sagen. Schon um des Partners willen und um eben solche Situationen zu vermeiden.

Das mag ein ziemlich hartes Statement sein, ist aber meine Meinung.

Lieben Gruß
Susann

Kassiopeia said...

By the way, es gibt in einem anderen Zoo schwule Pinguine, die sehr erfolgreich fremder Leute äh Pinguine, Eier ausbrüten...

Die Schaubude said...

Ja ist echt heftig. Die Sache hat zwei Seiten! Und ich bin mit meiner Meinung dazu manchmal hin und her gerissen..Als Frau könnte ich mit diesem Wissen, dass ich meinen Lebenspartner so hintergehe und belüge gar nicht mehr schlafen....

Alexandra said...

Erschreckend, die Zahl. Mir fiel beim Lesen noch ein Artikel ein, den ich dieser Tage irgendwo gelesen hatte. Laut diesem besuchen die Großeltern die Enkel der Tochter doppelt so häufig, als die Enkel des Sohnes. Umfragen und Studien hätten ergeben, dass dies daran liegt, dass sich Großeltern bei den Enkeln der Tochter sicher sein können, dass diese von ihrem Blute sind, während dass bei den Kindern eines Sohnes eben Kuckuckskinder sein können. Mann hab ich mich aufgeregt.

Also so weitreichend ist das Thema!