Saturday, September 27, 2008

Stein und Beton statt Freifläche und grün

Vor einiger Zeit noch gab es ein verwildertes Grundstück an der Ecke Duncker-/Stargarderstrasse. Da standen Bäume, wild gewachsen, verwilderte Büsche, Gräser und ein paar olle verkommene Garagen. Das Ganze war keine wirkliche Augenweide, keine durchgestylte, schicke Grünfläche - aber ein bisschen Natur gewann sich ihren Raum zurück inmitten der Großstadt aus Stein und Beton. Ein paar kleinere Tiere, Insekten und co fanden hier ihre Nische zum Leben. Nun sollte dieser Platz der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Und es sollte ein Platz für ältere Bürger geschaffen werden - was aufgrund der enormen Spielplatzdichte hier im Prenzlauer Berg ja auch wirklich eine gute Idee war.
Man stellte ein großes Schild auf, das viel Grün versprach, ein kleiner Stadtpark sollte es werden.
Heute wurde der Stadtpark eröffnet - es wurde eine schicke Steinwüste. Und die, für die der Stadtpark eigentlich sein sollte, beschwerten sich am allerlautesten, dass wirklich auch nicht eine Planze gepflanzt worden war. "Wer soll sich denn hier hinsetzen? Soll ich auf Pflastersteine schauen? Das will ich nicht!"

Dem Ganzen war ein regelrechter Kampf vorausgegangen. Denn schon bald nachdem die Bauarbeiten begannen, wurde klar, dass man hier keine Grünflächen plant.



Und es regte sich Unmut.



Und es bildete sich eine Bürgerinitiative - einzig mit dem Wunsch, man möge doch ein kleines bisschen auf die Menschen hören, die hier wohnen und den Platz jeden Tag sehen. Und die wollten eben ein bisschen Grün. Und nicht noch mehr Steine und Beton.
Natürlich wurde diese Bürgerinitiative nicht erhört und das Maximale, was man Ihnen zugestand, waren 30 Minuten lang bei den Verantwortlichen vorzusprechen.

Wie gesagt, heute wurde der Stadtplatz eröffnet: Und es ist ein komplett zugepflasterter, x-beliebiger Platz geworden, der dem entsprechenden Publikum eine Boule-Bahn bietet und ein paar Tischtennisplatten. Und fürs ältere Publikum gibt's dann ein paar Sitzbänke. Wahrscheinlich damit diejenigen, für die der Platz eigentlich gedacht war, den jungdynamischen Prenzlberger Webdesignern beim Boule-Spielen zuschauen können...

Der zugezogene Prenzlberer vertritt da eben eher die Meinung "Ach, das macht doch nichts, hat doch immer jemand was zu meckern, dann baut man eben irgendwo anders eine Grünfläche."
Ja. Genau.

Die Bürgerinitiative war natürlich auch da:


Und rief zur Begrünung auf:


Ein paar Topfpflanzen gegen die Steinwüste:


Man hat auf diesem Platz wirklich JEDE Chance zur Begrünung verbaut und sogar um die paar Bäume, die man stehen ließ, Kiessteine geschüttet...
Der Bezirks-Bürgermeister musste auch kommen - aber hielt sich selbstverständlich dezent im Hintergrund. Denn macht ja auch keinen Spaß zu erklären, warum man sich gegen den Willen der Bewohner wandte, sondern 500.000 Euro einfach verpflasterte.

2 comments:

Cecie said...

*kopfschüttel*

irgendwie wunderts einen nicht wirklich: was da passiert und wie... und dass keinen irgendwas interessiert... steine müssen weniger gepflegt/gewässert/geschnitten werden, also was wollt ihr, ist doch alles effizient... und wieder eine chance vertan. schade.

stadtfrau said...

pfah! über sowas kann ich mich echt aufregen!
ist hier in wien nicht viel anders. da wird eine platz neu gestaltet und niemand kommt auf die idee, dass man ihn begrünen könnte?! stattdessen viel beton und rätselhafte rote lichtmasten.
oder am praterstern: da umrahmen sie das tegetthof-denkmal mit einer sauteuren eisernen pergola - wozu? und die stadt stellt es so dar, dass der architekt an allem schuld wäre.
vor der euro musste der eingangsbereich des praters (vergnügungspark) noch schnell neu gestaltet werden, nicht einmal eine öffentliche ausschreibung wurde gemacht, daher gibt es dort jetzt wien-kitsch in disneyworld-manier, statt dass man sich wirklich gedanken gemacht hätte.