Friday, October 31, 2008

„Die Mutter aller Flughäfen“

Nun ist er zu - glauben kann ich es allerdings noch nicht so recht.
Ich würde ja wirklich gerne wissen, warum Herr Wowereit sich mit derartiger Vehemenz für die Schließung einsetzte, nie auch nur den Hauch eines Zweifels ließ, dass es keine andere Möglichkeit gäbe und er den Volkswillen - egal wie er auch sei - auf keinen Fall berücksichtigen werde.

Die Feierlichkeiten zu Schließung gestern Abend (wurden im Lokalsender übertragen)... ich fand sie ehrlich gesagt fipsig und erbärmlich. Viele der geladenen Gäste sahen gelangweilt aus, als könnten sie es kaum erwarten, dass endlich die beiden letzten Flugzeuge starteten und sie nicht mehr in der unangenehmen Kälte von einem Fuß auf den anderen trippeln mussten und endlich ins Warme zurück zu ihrem Prosecco konnten. Ein merkwürdiges Publikum wurde da geladen (wobei übrigens rund 200 gelandene Gäste von der IHK aus Protest gar nicht erst kamen)... ein paar langjährige Flughafenangestellte waren natürlich auch da, die einzigen, denen das Ganze offensichtlich Nahe ging. Ein paar Flugschüler schafften es, ein Transparent auszurollen "Tempelhof bleibt, Wowereit fliegt". Na gut, ein leitender Mensch von der Lufthansa (ich habe vergessen, wer es war) verdrückte sich auch ein Tränchen (die Lufthansa wurde 1926 in Tempelhof gegründet), sagte dann aber konzerkonform (und es klang ein bisschen, als wolle er sich selbst Mut machen): Nach vorne schauen, die Zukunft liegt im BBI.
Überhaupt klangen irgendwie alle, die zu Wort kamen, als wäre das hier eben unvermeidlich, schlimm, aber unvermeidlich... und jetzt käme eben irgendwie der BBI. Als würde man da einen göttlichen Willen befolgen...

Man muss sich auch bitte vor Augen führen: Andere Metropolen würden sich alle Finger nach einem derartigen innerstätdischem Flughafen wie Tempelhof lecken.
Richard von Weizsäcker sagte: "Andere Hauptstädte, wie London, haben sich mühsam und allzu spät zu einem innerstädtischen Flughafen durchgerungen. Von dort blickt man voller Neid auf Berlin-Tempelhof."

Um 0.00 Uhr war dann alles vorbei. Und Herr Wowereit kann nun stolz von sich sagen, dass er nicht nur als erster schwuler Berliner Bürgermeister in die Geschichte eingehen wird - sondern auch als der Bürgermeister, der einem der wichtigsten historischen Orte Berlins das Licht abdrehte. Naja, aber damit ist es ja noch nicht zu Ende - denn es gibt ja noch Mediaspree, um dem Volkswillen weiterhin ins Gesicht zu spucken.

Herr Döpfner, der Vorstandsvorsitzender der Axel Springer AG (ein sehr netter Mensch, ich war mit ihm und meinem Ex-Chef mal essen) schrieb einen sehr lesenswerten Kommentar zu der Schließung Tempelhofs:
Tempelhof schließt – ein historischer Tag für Berlin

Und abschließend noch die meinungen verschiedener Berliner Ehrenbürger zur Schließung:
Helmut Schmidt, Helmut Kohl, Walter Scheel usw.

2 comments:

Pfeilinchen... said...

ach meine liebe... es schauert mich wenn ich es lese... mein mann ist ja ein "urberliner" und seine eltern wohnen immer noch da... beide sind in tempelhof aufgewachsen und habe die luftbrücke miterlebt.. über ihre köpfe sind sie geflogen und und und... unvorstellbar für mich heute noch....

ich mag die "profilierungsneurosen" gewisser politiker nicht ausstehen.... der liebe herr wowereit hätte das ganze geld dass da in den kampf gegen den flugplatz besser investiert in dem er sich endlich mal um die wunderschönen wälder kümmert die in und um berlin herum sind... ich bin jedes mal geschockt wenn ich durch den wald (ganz besonders in wannsee) laufe und es sieht einfach alles nach kraut und rüben aus.... auch ein wald muss gepflegt sein... oder gerade jetzt im herbst... da denke ich an die vielen "Troittoirs" die jeweils übersät sind mit laub und es ist kein geld da um es regelmässig wegzuräumen... ja.. auch ich bin da schon ein paar mal auf die schnauze gefallen....

anyway.... ach.. ich kann ja nicht für berlin politisieren...

einen schönen tag wünsch ich
maya

::::: said...

Neu ab 30.10.2008: Volksbegehren für das Weltkulturerbe Tempelhof und mehr Transparenz in der Politik

Das Aktionsbündnis be-4-tempelhof ruft alle Berlinerinnen und Berliner zu einem neuen Volksbegehren und nachfolgenden Volksentscheid auf.
Der diesmal verbindliche Abstimmungstext schreibt den Denkmalschutz für den gesamten Flughafen fest, untersagt die Entwidmung und Umnutzung und strebt eine Ernennung zum Weltkulturerbe an.

Darüberhinaus sollen die Senatsmitglieder nicht länger durch Vorstands- und Ausichtsratsmandate in Interessenkonflikte geraten. Die Bürger erhalten ein umfassendes Recht auf Akteneinsicht und Information.

Mehr unter www.be-4-tempelhof.de