Thursday, October 30, 2008

Goodbye!

Heute wird der Flughafen Tempelhof geschlossen - der erste Verkehrsflughafen der Welt.
Die Schließung... das Resultat kurzfristiger finanzieller Vorteile - das dem Land Berlin und dem Steuerzahler allerdings viel, viel Geld Kosten wird.

In Zeiten, in denen der Billigfliegermassentourismus seinen letzten Tagen entgegen sieht (wir erinnern uns: Letztens stellte man fest, dass wir keine unendliche Mengen an Rohöl auf diesem Planeten besitzen... und widerwillig wird man nach und nach eben doch zu CO2-reduzierenden Maßnahmen greifen müssen - auch im Flugverkehr) - brauchen wir einen Großflughafen? Haben wir zu wenig Kapazitäten, um den andrängenden Flugpassagieren genügend Flüge anbieten zu können? Ich hatte bisher nie Probleme, aus Berlin raus- und reinzufliegen - nie sagte man mir "Tut uns leid, die Berliner Flughäfen sind komplett überlastet - es gibt keine Flüge mehr in den nächsten Wochen."
Die Kapazität an Flügen aus und nach Berlin ist momentan bestens gedeckt.
In Zukunft wird der Flugverkehr allerdings klar abnehmen - denn Flüge werden ganz einfach wieder teurer.
Einen Großflughafen braucht es dann erst recht nicht.

Stattdessen schließt man zwei funktionierende, wirtschaftlich und logistisch gut gelegene Flughäfen.
Aber da man Tempelhof so schnell wie möglich schließen wollte, weil man fürchtete, dass die Schließungsgegner - ein Großteil der Berliner Bevölkerung - doch noch mit ihrem Willen durchkämen, wird der Flughafen Tegel nun ausgebaut. Um die Kapazitätsengpässe - durch die Schließung Tempelhofs - zu überbrücken: Für 8 Millonen Euro! Um dann 2011 endgültig geschlossen zu werden.

Einen Plan für die Nutzung des geschlossenen Flughafens Tempelhof gibt es nicht. Das Land Berlin ruft nun die Bürger auf, Vorschläge zu machen. Und selbst schlägt es hübsche Parkanlagen vor bzw. machten den Anwohnern des Flughafens mit diesen Versprechungen den Mund wässrig. Parkanlagen auf einem komplett verseuchten Gelände. Ein Gelände, dessen Boden noch aus dem Zweiten Weltkrieg verseucht ist - das eigentlich nur komplett zubetoniert - oder... als Flughafen verwendet werden kann. Für die Entsorgung des kontaminierten Bodens werden ca. 260 Millionen Euro geschätzt - die Entkontaminierung wird ca. 8 - 12 Jahre dauern. Der hübsche Park, von dem die Anwohner träumen, ist nicht nur unfassbar teuer - sondern auch erst in vielen Jahren zu erwarten.
Zudem gibt es in diesem Gebiet einen Park. Einen richtig großen sogar. Nämlich den Volkspark Hasenheide.


Quelle: Maps.Google.com

Einen großen und schönen Park, nur durch eine Straße vom Flughafen Tempelhof entfernt. Ein schöner, aber auch gefährlicher Park, in dem man sich nach Einbruch der Dunkelheit eher ungerne aufhält. Mir war es immer gruselig, abends nach Ende des Filmes aus dem Freiluftkino zur U-Bahn durch den Park zu laufen. Zu Recht. Mehr als einmal bekam ich allerhand Polizeieinsätze mit, wenn ich mit Freunden in der Hasenheide im Sommer zum Entspannen lag - ebenso wie Schlägereien und so weiter.
Es wird interessant werden, wie sich die Energie dieses Parkes sich auf den schönen Ex-Tempelhofer Flughafen-Park ausdehen wird - und auch auf die bisher durch das umzäunte Gebiet des Flugfhafens abgeschirmten Häuschen auf der anderen Seite des Tempelhofer Dammes. Die Anwohner, die sich die Schließung des Flughafens so sehr wünschten.

Aber weiter zu den Kosten: Der geschlossene Flughafen wird jedes Jahr ca. 11,9 Millionen jährlicher Bewirtschaftungskosten für den Steuerzahler bereit halten. Klaus Wowereit schätzte die Kosten für einen Sozialplan für die Beschäftigten auf 24,5 Millionen Euro. Die Kosten für die Bodensanierung und den Ausbau Tegels nannte ich ja schon.
Eine Nachnutzung des Geländes wird frühestens 2015 stattfinden. Und das ist - nach Meinung der Fachleute - eine sehr optimistische Schätzung.

Wie dem auch sei: Die Schließung des Flughafens ist eine finanzielle Dummheit und Unverschämtheit dem Steuerzahler gegenüber - und historisch gesehen eine Katastrophe.

2 comments:

00schmidt.com said...

Mein erste Reise nach Amerika begann in Tempelhof. One, Two, Three. Nostalgische Gefühle.

Der Bürgermeister in der Tagesschau hatte eine etwas andere Sicht. Hurz!

Danke für dieses Statement.

R.I.P.

00schmidt.com said...

Mein erste Reise nach Amerika begann in Tempelhof. One, Two, Three. Nostalgische Gefühle.

Der Bürgermeister in der Tagesschau hatte eine etwas andere Sicht. Hurz!

Danke für dieses Statement.

R.I.P.