Wednesday, November 26, 2008

Schöne Klamotten bei Lidl

Ich gebe es zu - wir kaufen da auch zuweilen. In erster Linie die Hosen, die sich im Bündchen enger stellen lassen - denn die sind schon von vornherein schön schmal geschnitten für unseren schmalen Sohn. Bei anderen Herstellern bildet sich am Bauch meistens eine unschöne Wulst, die eben beim Bewegen stört. Ha! Und ich fange eben schon an, mich zu rechtfertigen. Ihr seht, mir ist schon klar, dass ich mir in erster Linie an die eigene Nase fassen muss.
Nun haben wir es ja schon alle geahnt und viele auch gewusst: SO billige Plünnen können einfach nicht fair hergestellt werden. Niemals im Leben kann eine dicke Winterjacke 9 Euro kosten - und die Menschen, die sie zusammennähten bekamen von den 9 Euro einen fairen Lohn und arbeiteten unter menschenwürdigen Umständen. Denn von den 9 Euro pro Jacke wird ja nicht nur der Arbeiter bezahlt, es müssen noch die Materialkosten gedeckt werden (und insbesondere jeder, der näht, weiss, was da für Kosten auf einen zukommen), dann kommen Transport- und Verpackungskosten hinzu... und schließlich wollen die Discounter ja auch noch einen ordentlichen Profit einheimsen. Was man ihnen ja auch nicht verdenken kann - schließlich müssen sie wirtschaftlich arbeiten.
Ja, es wird klar: Der Arbeiter ist derjenige, der mit üblen Arbeits- und Lebensumständen dafür bezahlen muss, dass wir so hübsche und extrem billige Plünnen bei Discountern kaufen können.
Nicht neu. Aber aufs Neue und aktuell hier nachzulesen.

Alles immer unter "Jaja, das passiert, wenn sich die 'Geiz ist geil'-Mentalität immer mehr durchsetzt!" zu verbuchen - ist wohl zu einfach. Denn gerade wenn man Kinder hat - ist "Geiz" zuweilen gar nicht geil, sondern einfach notwendig. Tatsächlich haben bei uns Kosten für Kurse (Klettern, Tanzen und co), Bücher, Spielsachen usw. eine weitaus höhere Priorität als Klamotten. Und dann kommt eine Ersatzhose von Lidl eben wirklich gelegen.

Ich höre immer wieder "Und was soll man da machen? Wenn man die Sachen nicht kauft, dann haben die Arbeiter in der Dritten Welt ja gar kein Geld mehr! Das ist dann ja auch die falsche Strategie!". Irgendwie klingt das logisch - stimmt aber trotzdem nicht. Denn es gibt ja auch einige Klamottenhersteller, die ihre Sachen zu fairen Bedingungen fertigen lassen. Und dann bekommen die Arbeiter in der Dritten Welt eben doch ihren Lohn - einen fairen Lohn zu fairen Arbeitsbedingungen.

Fazit: Wirklich überdenken, was man braucht und nicht alles kaufen, was irgendwie sinnvoll erscheint und ganz hübsch aussieht. Stattdessen eben weniger Zeug kaufen und dafür bei Herstellern, die zu fairen Bedingungen arbeiten. Und ruhig auch mal öfters Second Hand.
(Übrigens, nicht alle Hersteller, die teurer sind, stellen auch unter fairen Bedingungen her - Esprit ist da ein arg schlimmes Beispiel. Die lassen nämlich auch zu übelsten Bedingungen fertigen)


Interessanter Blog zu dem Thema: Grüne Mode

5 comments:

Kai Anja said...

Wie Recht Du hast.
Gerade, wenn man selbst näht, sollte man stutzig werden, wenn ne Hose im Discounter nur 7,99 EUR kostet.
Dafür bekommt man hier nichtmal den Stoff gekauft.

Ähnlich ist es ja bei Lebensmitteln. Wer mal "We feed the World" gesehen hat, der mag eigentlich gar nichts mehr aus dem Discounter kaufen.
Leider sitzt das Geld nur im Moment nicht so locker.

Ich bin auch der Meinung, dass das Argument "als Einzelner nichts bewirken" nicht zieht, denn viele Einzelne sind eben Viele. Bestes Beispiel ist der BIO-Boom, auch wenn BIO aus Südamerika nicht mehr wirklich BIO ist. Daran merkt man, dass die Menschen doch irgendwie umdenken und dass die Nachfrage größer geworden ist.

Danke für Deinen aufrüttelnden Artikel. Ich bin traurig, dass ich leider nicht alle meine Prinzipien immer einhalten kann, aber man versucht ja sein Bestes.

LG,

Kai Anja

seemownay said...

Ich wollte es gerade schreiben, aber Du hast es weiter unten schon geschrieben. Teuer ist eben auch nicht immer gut - warum soll ich 50 Euro für ne Jacke zahlen, wenn der Arbeiter letztlich genauso viel bekommt, wie bei der 9-Euro-Jacke.
Gibt es denn eine Liste, auf der man nachschauen kann, welche Kleiderhersteller "einigermaßen" fair herstellen lassen? Oder bin ich dann gleich bei so teuer, dass ichs mir gar nicht mehr leisten kann?

Ich hab gerade aktuell das Schneehosenproblem: im Kindergarten darf gematscht werden, da brauchen wir eigentlich zwei ... ja, also zwei Discounterschneehosen zum Matschen, kann ich mir leisten, kann ich auch von einem Kind "töten" lassen. Aber die "Markenschneehose" kann ich nicht doppelt kaufen und matschen darfs Kind dann auch nicht wirklich.

Wie ich schon im letzten Kommentar schrieb, es ist so verdammt schwierig immer das Richtige zu machen. Da muss man eben abwägen ...

Minerva said...

Vielen Dank für diesen Beitrag, der treffend formuliert, was mir seit einiger Zeit gerade auf Lebensmittel bezogen immer wieder durch den Kopf geht.

immerlockerbleiben said...

Es ist wirklich nicht einfach richtig zu kaufen. Da gibt es - wie gesagt - auch bei den Markensachen einige schwarze Schaft. Oft hilft da einfach nur Verzicht bzw. die Überlegung, ob man das jetzt wirklich haben muß. Als gute Alternative für mich finde ich 2nd Hand. Das spart Geld und schont Ressourcen.

Kleidung beim Lidl ist auch mit Vorsicht zu genießen... meine Nachbarin hat mal dort im Zentraleinkauf gearbeitet. Die hat mir dann von gefälschten bzw. erschlichenen Ökotex-Zertifizierungen erzählt. Da wird ein Container T-Shirts gemäß Standard produziert und in Deutschland getestet und zertifiziert und die wirklichen Mengen, für den gesamten europ. Markt werden dann mit billigeren Herstellungsverfahren gefertigt. Das diese dann noch die Zertifikate bekommen würden, ist wohl mehr als fraglich. (es gibt in der Ökotest auch einen Test zu Discouter-T-Shirts Ökotest August 08

Zum Thema Lidl bzw. auch Kik hatte ich auch mal was im Internet gefunden... hier

Sorry ... ist doch etwas länger geworden.

LG Nadine

Susi Sonnenschein said...

Das wollte ich gerade noch anmerken, daß auch nicht alles, was teurer ist, auch zu besseren Bedingungen gefertigt wird, da fließt nur eben mehr in die Taschen der Konzerne. Nettes Beispiel ist auch To.mmy Hil.figer oder Le.vis.