Monday, February 23, 2009

Bekommt Ihr Angst?

EDIT:
Ich habe jetzt verschiedene Kommentare nicht mehr freigegeben und werde auch ein paar noch löschen. Ich akzeptiere und toleriere verschiedene Meinungen zu dem Thema - ohne Frage. Aber ich mag nicht, dass mein Blog für die Verbreitung von Falsch-Infos verwendet wird. Und einige geschriebene Meinungen verzerren die Realität einfach so stark - das ich das in meinem Blog nicht akzeptieren kann und will.



Eigentlich vergehen kaum ein paar Tage - und ein weiteres Traditions-Unternehmen meldet Insolvenz an. Oder steht in der Gefahr es bald machen zu müssen.

- Schiesser
- Woolworth
- Märklin
- Saab
- Rosenthal

In Gefahr: Opel, Pfaff, Prym usw.

Und so langsam bekommt auch bei uns so mancher kalte Füße - trotz der endlich niedrigeren Bezinpreise und der feinen Abwrackprämie (die ja manche Marketing-Menschen wie zum Hohn "Umweltprämie" nennen...). Na klar - auch die, die sich jetzt noch sicher wähnen, werden die Weltwirtschaftskrise bald zu spüren bekommen - in steigenden Lebensmittelpreisen, steigenden Lebenshaltungskosten und vielem mehr. Aber sehr wahrscheinlich werden wir hier den Gürtel eben etwas enger schnallen müssen und das war es dann auch. Es wird hier bei uns niemand verhungern oder erfrieren oder sonstwie kläglich umkommen wegen der Wirtschaftskrise.

Und keiner scheint mehr Angst vor dem zu haben, was ganz unweigerlich sehr bald auf uns zukommt - einer Krise mit weltweit viel dramatischeren Auswirkungen. Im Gegenteil: Wirtschaft und Politik nutzen die momentane Wirtschaftskrise um CO2-Emmissionen nicht einzuschränken. Umweltschutz und Klimakrisenbekämpfung sind verschoben worden - auf "nach der Wirtschaftskrise oder so...".

Und so steuern wir der tatsächlichen Krise entgegen, die weder vermeidbar noch so geringe Auswirkungen haben wird wie unsere jetzige Wirtschaftskrise. Die aber eine neue Wirtschaftskrise von ungeahnten Ausmaßen bringen wird: Die Klimakrise mit all ihren Folgen. Mit enorm steigenden Lebensmittelpreisen, mit gigantischen Energieengpässen und mit laut den Prognosen von Uno-Organisationen bis zu 150 Millionen Umweltflüchtlinge allein in den kommenden Jahren.

Harald Welzer, Direktor des Center for Interdisciplinary Memory Research am Kulturwissenschaftlichen Institut in Essen und Forschungsprofessor für Sozialpsychologie an der Universität Witten/Herdecke, der das Buch "Klimakriege: Wofür im 21. Jahrhundert getötet wird" veröffentlichte, sagt im Spiegel Online-Interview dazu:
"Was wird passieren, wenn - wie prognostiziert - im Jahr 2050 mehr als zwei Milliarden Menschen unter Wasserknappheit leiden? Oder wenn der Meeresspiegel bis 2100 um 15 bis 59 Zentimeter steigt? Megastädte wie Lagos mit 17 Millionen Einwohnern werden in weiten Teilen überflutet werden. Da wird es eng in Westafrika. Flüchtlinge werden sich nach Europa aufmachen, zur Insel der Glückseligkeit. Das ist wie ein Stafettenlauf: Irgendwann sind die Leute da. Dann stranden nicht mehr nur ein paar Bootchen vor Sizilien, sondern es kommen Millionen."


Und das Gesicht unserer Welt wird sich ändern - und auch die Methoden, mit denen wir unseren Wohlstand und unser Überleben verteidigen werden.

Lest das Interview, es lohnt sich: UMWELTFLÜCHTLINGE
"Irgendwann kommen nicht nur ein paar Boote, sondern Millionen"

11 comments:

crisl said...

du fragst ob ich angst bekomme?? meine schlichte antwort lautet: JA !!!!

grüße dich

crisl

Immertreu said...

Ich habe keine Angst. Und als Klimaskeptikerin glaube ich auch nicht an den ganzen Überflutungskram - ich denke die künstliche Verteuerung von Energie hat uns eher dahin gebracht wo wir jetzt sind.
Und das mit den Unternehmen - ich hab manchmal so das Gefühl, manch einer will einfach ein bißchen staatliche Unterstützung.
Ich denke wir brauchen Optimismus! Jede Krise birgt Chancen!
Liebe Grüße!

Jörg said...

Die Erde unterliegt einem natürlichen Zyklus aus Kalt- und Warmzeiten. Wir steuern wohl in eine neue Warmzeit, die wir aber nachweislich fördern und beschleunigen.Belege dafür sind am offensichtlichsten für uns die Überschwemmungen in Asien und die Schmelze der Polkappen. Und selbst wenn es keine Auswirkung auf das Klima gäbe, ist das was wir diesem Planten auch ohne Erwärmung antun, wohl schon irreparabel.

Wir verheizen unsere Ressourcen, nehmen unseren Kindern die Zukunft. Man muss sich nur vor Augen halten, dass man CO2,welches sich über millionen von Jahren eingelagert hat, in ganz wenigen Jahren in die Atmosphäre entlassen haben. Da einen Zusammenhang mit dem Kippen des Klimas zu leugnen, ist schlicht gewollte Blindheit.

Ohne Öl und Uran wird unsere Umwelt wohl bald besser dastehen, unsere Zivilisation aber kaum. Um unseren Kindern noch ein wenig von den endlichen Ressourcen unseres Planeten zu gönnen, müsste man Öl und Energiepreise eigentlich ‚künstlich‘ noch viel teuer halten. Ich frage mich immer öfter, was für die Menschen in der westlichen Welt wohl schlimmer ist: ein leerer Tank weil das Benzin „unverschämter weise“ mal wieder so teuer ist oder das plötzlich leere Feld in Afrika, weil mal wieder, wie in den letzten Jahren immer öfter der Regen ausgeblieben ist – es wird wohl der Tank sein. Optimismus ist ein Luxus den wir nicht (mehr) haben, Realismus ist wohl jetzt das, was uns endlich erwecken sollte. Und die Wirtschaftskrise, ja die interessiert wohl keinen mehr, im ersten globalen Krieg um die letzten, die wirklich letzten Ressourcen. Jede Zivilisation ist bis jetzt untergegangen. Warum sollte unsere die Erste sein, die es nicht tut.

Nic said...

mann kann sich sehr gut verlieren im wust der theorien und meinungen zu diesen themen.

ich möchte für meinen teil nur soviel sagen... ANGST bringt die menschheit jedenfalls nicht weiter.

liebe grüße
nic

julia said...

Ich habe ehrlich gesagt ganz schön angst vor dem was kommen kann- eigentlich schon seit ich einigermaßen über umweltdinge reflektieren kann- das war so in der ersten Klasse. Sicherlich bin ich erziehungstechnisch immer wieder darauf aufmerksam geworden- war als Kleinkind in Wackersdorf etc.
Und als im Herbst die ersten Meldungen über Wirtschaftskrise an mich randrangen war mein gedanke- und was mach ich mit dem zugegeben nicht vielen Geld über das ich derzeit verfügen kan, bevor es zu einer Inflation kommt und ich mir nicht mal mehr eine Kartoffel von nem Euro kaufen kann: Einen großen Garten kaufen war mein Gedanke.Bisher haben mich allerlei Leute von dieser Idee abgehalten. Versuchen Dinge zu besitzen, die mich unabhängig machen von käuflicher Energie: So wurde auch bei endgültigen k.o. meines uralten Handmixers kurzerhand in einen Kurbelmixer hoher Qualität investiert, eine HandKaffeemühle erinnert mich jeden morgen an die Privilegien, die wir hier geniessen. Mein Spindelrasenmäher bringt die Nachbarn zum Schmunzeln, und vermutlich halten die mich überhaupt für bekloppt. Aber warum sollte ich alle diese Dinge, die eben auch ohneStrom genauso funktionieren, und im Arbeitsaufwand für einen normalen Familienhaushalt nicht wirklich aufhalten, warum sollte ich in Dinge investieren, für die ich Strom brauche ?
In der Wochenendeausgabe der Taz war dann der ARtikel über Vorratshaltung und die Tatsache,daß ebe keiner abschätzemn kann wohin die Reise geht, man täte gut daran, enge Kontakt zu einem Landwirt zu besitzen oder sich einen Garten zu kaufen.

Ich kann mir nicht wirklich vorstellen, wie es ist, wenn es tatsächlich zu einer Inflation, zu einer Wirtschaftkrise kommt, ich versuche lediglich es mir anhand der Berichte, die man über Zeiten der Krisen gelesen hat, sei es in Literatur über die Kriegsjahre oder auch die Nachkriegsjahre vorzustellen- ich sehe dem mit unterschiedlichen Gefühlen entgegen- einerseits stoppt es diesen bedingungslosen Konsum, dieses ewige "Wachstum" "Wachstum" "Wachstum" denken, vielleicht schafft es grundlagen für einen faireren Welthandel, es wäre eine Chance, not macht erfinderisch, verhungern tut man in mitteleuropa nicht soo schnell, wenn ich mir unser tägliches Patientenkollektiv so anschaue und es schweisst die Menschen in gewisser Weise zusammen, andererseits werden vermutlich die falschen hinten runterfallen und derer nicht wenig. Das alles betrifft jetzt die Wirtschaftslage, wie es mit der Klimakatstrophe wird- ich wage mich nicht prognosen zu lesen.
Davor habe ich grosse Angst

24sieben said...

Ich habe Angst. Ich verdränge sie meist, oder sie geht im Alltag mit Kindern und dem dazugehörigen Stress unter. Aber sie packt mich jedesmal mit kalter Kralle, wenn ich Artikel über Umweltprobleme lese, seien es abschmelzende Polkappen, seien es Überschwemmung, Stürme, Abholzung von Regenwäldern, etc.
Und dann frage ich mich oft, wie es sein wird, wenn meine Kinder z.B. in ihren 30ern sind. Und ob ich es überhaupt verantworten kann, sie auf die Welt gebracht zu haben. Es überkommt mich dann oft eine Schicksalsergebenheit und gleichzeitig doch noch die Hoffnung, dass es gelingen wird, alternative Wege zu finden. Irgendwie. Aber meist versuche ich dann schnell an etwas anderes zu denken. Peinlich? Vielleicht, aber ich kann einfach nicht anders.

Feenwerkstatt said...

Angst...?
Manchmal: ja!
Aber ich finde es ganz schwierig einzuschätzen, was wirklich passieren wird.
Wenn man sich die Geschichte der Menschheit anschaut, gab es bestimmt unzählige Momente, wo die Menschen gedacht haben müssen: jetzt ist es vorbei.
Aber die Menscheit ist ein Überlebenkünstler. Soviel auch zerstört wird, es gibt doch immer wieder ein paar geniale Köpfe, denen doch irgendeine Lösung einfällt.
Hoffe ich zumindest!
Denn: nur Angst zu haben, verändert nichts.
Positives Denken bewegt.

Und wenn ich Angst habe - dann eher wegen meiner 1 1/2 Kinder.
Die müssen das noch eher ausbaden als ich.

Also versuche ich, wenigstens für mich etwas zu bewegen. Im ganz Kleinen.
Und keine Angst zu haben.

Liebe Grüße, Anja

Jörg said...

Na das hat bestimmt nichts mit dem Klimawandel zu tun, oder etwa doch??

http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,610411,00.html

Die Einstellung die Energiepreise zu senken damit man mit seinem Auto mehr CO2 produzieren kann und dem Luxus des Konsums zu frönen versetzt mich in beklommene Sprachlosigkeit.

Vielleicht sollte man nicht vergessen das es uns in den Industriestaaten selbst in der schlimmsten Wirtschaftskrise immer noch um Welten besser geht als 60% der Weltbevölkerung. Im übrigen ist der ERSTE Schritt zu Bekämpfung des Welthungers ist ja wohl der Klimaschutz, denn wo es nicht mehr regnet wächst auch nichts.

Aber was solls, verpulvern wie lieber alles jetzt für unseren Luxus. Nach uns sie Sinnflut.

Jörg said...

Liebe Immertreu,
sicher hast du in vielen Punkten recht, allerdings sind es nicht die paar Politiker, die mal van A zu B fliegen, sondern die unfassbaren Massen an Touristen, die sich jeden Tag durch unsere Atmosphäre bewegen.

Natürlich ist es so, dass wir Schwankungen im Erdklima unterliegen und uns gerade am Beginn einer Warmzeit befinden. Die letzte gab es ja bekanntlich im Mittelalter. Gegen Heizung und Warm-Wasser habe ich auch nichts, solange man es ökologisch korrekt und nachhaltig produziert. Kalte Füße rechtfertigen in der heutigen Zeit für mich aber nicht mehr das Verfeuern von fossilen Brennstoffen.

Klimaschutz bekämpft keinen Hunger? Nun ja. Aber er erhält die momentanen Anbauflächen. In Bangladesch freut man sich bestimmt riesig, wenn man ihnen Saatgut zur Verfügung stellt, welches man durch die finanzielle Ersparnis in der Klimaforschung gekauft hat. Blöde nur wenn die Anbauflächen durch den gestiegenen Meeresspiegel überflutet wurden und damit durch das Salzwasser unbrauchbar geworden sind. Aber hey! Wir haben unser warmes Wasser, unser Auto, unsere Braunkohle und unsere Flüge in den Süden UND konnten noch Saatgut kaufen. Wir sind toll.

Dein Argument das Co2 ein wichtiges Spurengas ist lässt mich doch sehr erstaunen. Du vergleichst hier Äpfel mit Birnen. Das von UNS produzierte CO2 bringt der Natur gar nichts. Die Wälder wuchsen auch (besser) ohne Autoverkehr. Das CO2 bindet sich zum allergrößten Teil in den Weltmeeren. So, und nun zu deinem doch so wichtigen Spurengas: Was passiert dann damit? Die Meere übersäuern. Pflanzen und Bakterien sterben ab und die produzieren dann auch keinen Sauerstoff. Im Übrigen kommt fast all unser Sauerstoff aus den Meeren und nicht von Wäldern. Sonst wären wir auch schon in Atemnot, wenn man beobachtet, was in den letzten Jahrzehnten gerodet wurde. Also selbst wenn (!) CO2 so gar nichts mit dem Klimawandel zu tun hätte, so wird es uns doch zum Verhängnis, denn es vernichtet unsere Nahrungskette, an dessen Ende wir stehen. Das wäre doch mal ein wirklich interessantes Thema für eine Magisterarbeit.

Ja Björn Lomberg kenne ich, aber folge eigentlich kaum einer seiner Thesen.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,377214,00.html

püppilottchen said...

auch wenn das jetzt hier so garnicht hinpaßt ;D danke für die einladung zum kaffee. ines von wolke7land und ich haben uns ja getroffen und da dachte ich auch an dich. aber die zeit war irgendwie doch zu kurz - nächstes mal! versprochen... ich bin dies´ jahr bestimmt noch 2-3 mal in meiner alten heimat.

gglg, nicola

Suse said...

Es wurde viel gesagt - manches emotional, manches rational. Ein bisschen Emotionalität gehört bei diesem Thema ganz gewiss dazu.

Mit welcher Selbstverständlichkeit allerdings wirtschaftliche Interessen über ökologische Ziele gesetzt werden, fand ich auch in dieser Diskussion erschreckend (die Beiträge sind jetzt allerdings gelöscht). Zumal die ökologische Katastrophe, die ja nicht mehr auf uns zurollt, sondern schon da ist, eine wirtschaftliche Katastrophe nach sich ziehen wird, die die jetzige wie einen kleinen Schluckauf dastehen lassen wird.

Angst alleine hilft nicht, das stimmt (und meine Überschrift ist natürlich auch provokativ gemeint) - aber Angst ist eine natürliche Reaktion, die man nicht unterdrücken sollte. Sondern die einen aufwecken sollte. Um dann aktiv zu werden.