Saturday, June 20, 2009

LoeschenStattSperren



Heute: Bundesweite Demo: LoeschenStattSperren!

Ab auf die Straße!

Ich finde es in einem unfassbaren Ausmaß beschämend, dass unsere Regierung das Thema Kinderpornografie zum Wahlkampf mißbraucht. Dabei sah es nach einem so passenden Thema aus - denn gegen Kinderpornografie sind wir ja schließlich alle. Und wie sehr sollten wir da als ehrliche Bürger jubeln, dass unsere Regierung nun klare Zeichen setzt und zum Kampf gegen die Kinderschänder bläst. Und ganz viele Wähler sehen das auch so - insbesonders diejenigen, die sich mit dem Thema Internet nicht so sehr auskennen und nur sehr wage Vorstellungen darüber haben, was im Internet so alles möglich ist.
Um es mal simple zu machen: Mein fast 80-jähriger Vater, der zwar ein gebildeter Mann ist, aber eben beim Thema Internet nicht mehr mitmachte - der findet es einfach großartig, dass die Regierung nun so klar gegen Kinderpornografie vorgeht: "Kinderpornografische Seite -> Stopschild -> kann nicht mehr angeschaut werden -> Leute, die mit Kinderpornografie ihr Geld verdienen, machen kein Geschäft mehr -> nach und nach löst sich alles in Wohlgefallen aus". So wird es uns ja schließlich vermittelt (und um das zu glauben, muss man auch nicht fast 80 sein, meine 50-jährige Schwester glaubt das gewiß auch).
Und so waren Zensursula und co auch fassungslos, dass die braven Bürger das tolle Wahlkampfthema plötzlich torpedierten - kann doch nicht sein... wir sind doch alle gegen Kinderpornografie... Und Herr Guttenberg sprach es dann auch klar aus: Wer gegen Internetsperren per se ist - gehört eben zu den Menschen "die sich gegen die Sperrung von kinderpornographischen Inhalten sträuben" (so sagte er es frank und frei in der Tagesschau).

So ganz kann ich unseren Regierenden ihre Naivität nicht abkaufen. Dass sie wirklich nicht den Unterschied verstehen wollen zwischen: "Kinderpornografische Seiten sperren" und "Stillegung von Seiten mit kinderpornografischen Inhalten sowie die Strafverfolgung der Täter".

Aber ein weiteres Mal wurde bei diesem Thema deutlich, dass unsere Regierung an der Meinung des Volkes nicht interessiert ist. Ehrlich gesagt kommen die Regierenden mir oft genug wie eingeschnappte Kreationismus-Grundschullehrer vor, denen von einem Schüler die Evolution einwandfrei nachgewiesen wurde - aber der dann sagt: "Ist mir doch egal, ob Du das beweisen kannst, dass ich falsch liege - denn ich bin der Stärkere und sitze am längeren Hebel. Und deshalb bestimme ich, dass das mit der Evolution alles nicht stimmt. Basta."
Und so interessierte eben die Meinung von 134.014 Unterzeichnern der Petition gegen die Internet-Sperre nicht - und vorgestern wurde das Gesetz verabschiedet. Fertig, aus!

Ich bin mir ja sicher, dass Leser meines Blogs an sich schon internetaffin genug sind, um sich mit dem Thema auseinandergesetzt zu haben...
...wenn nicht: Es geht darum, dass die Sperrung von Seiten mit kinderpornografischem Inhalt einfach nichts bringt, um dem unendlichen Elend von mißbrauchten Kindern ein Ende zu setzen. Hier wird praktisch ein kleines Pflaster auf einen Schädelbasisbruch geklebt und geglaubt, das reiche aus. Aber an die Täter geht man nicht ran und es werden auch keine Seiten mit kinderpornografischem Inhalt gelöscht.
Stattdessen wird es eine hochheimliche Liste von zu sperrenden Internetseiten geben - welche Seite da drauf kommen, kann natürlich mitnichten nachgeprüft werden. Und - diese Listen werden dann an die Provider weitergegeben, die jene Seiten dann ledglich verstecken sollen. Und diese Sperren zu umgehen - ist kein wirkliches Problem. Wie jemand schrieb "die Hälfte der hiesigen Grundschule würde es schaffen, so eine Sperre zu umgehen und sich einfach über einen Proxy zum Zielhost zu verbinden".
Und natürlich ist es gar nicht auszudenken, was passiert, wenn diese hochheimliche Liste eben doch bekannt wird (und in Zeiten des Internets besteht ja nun mal gar kein Zweifel, dass dies passieren wird) - damit hätte dann jeder Kinderschänder praktisch eine Linkliste seiner Lieblingsseiten in der Hand.

Also, es muss klar sein: Das Ganze ist eine vollkommen blödsinnige Idee, die aber viel, viel Negatives nach sich ziehen kann und der Zensur an sich Tür und Tor öffnet. Und jetzt mal ernsthaft: Was genau muss uns eigentlich noch weggenommen werden an Rechten?
Wir haben kein Bankgeheimnis mehr, das Wort Datenschutz an sich ist schon lachhaft in Deutschland (ich kann mich erinnern, als ich Kind war, konnte man praktisch nichts über eine andere Person erfragen, da kam sofort "Nee, tut uns leid: Datenschutz", lang ist's her), Eure Daten werden gespeichert bis zum Umkippen, jedes Telefonat das Ihr führt, alles, was Ihr im Internet macht wird 6 Monate lang gespeichert (-> Vorratsdatenspeicherung).
Und das Argument "Na, aber ich habe sowieso nichts zu verbergen" zieht da leider auch nicht. Denn ob ihr tatsächlich was zu verbergen habt oder nicht - das entscheidet ja nicht ihr. Schon mal bei der Steuer getrickst? Einen Song illegal aus dem Internet runtergeladen? Oh... und bald können Euch auch Eure "Killerspiele" in Teufels Küche bringen (und es bleibt abzuwarten, was unsere Regierenden dann so alles unter Killerspielen einordnet: Dann werden möglicherweise auch Mädel-Shooter wie "Tomb Raider" illegal").

Drum - geht heute zur bundesweiten Demo: LöschenStattSperren
In Aschaffenburg, Berlin, Bonn, Bielefeld, Bremen, Burgberg, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Hannover, Karlsruhe, Jena, Kiel, Lübeck, Marburg, München, Münster, Nürnberg, Potsdam, Stuttgart und Ulm. Es ist wirklich an der Zeit!

Wednesday, June 17, 2009

Mobbing an der Schule

Es ist keine Lappalie und auch der gut gemeinte Rat "Dann hau doch einfach zurück!" ist keine Lösung: Fast jeder dritte Schüler an weiterführenden Schulen wird gemobbt, ca. jeder 10. Schüler wurde Opfer körperlicher Gewalt. Das sind die Ergebnisse einer Studie der Uni Lüneburg.
Mobbing fand natürlich schon immer statt - irgendeine Mitschülerin/ein Mitschüler, die/den die Gruppe auf dem Kieker hatte und der/dem man das Leben schwer machte, gab es in jeder Klassenstufe. Aber die Zahl der gemobbten Kinder und Jugendlichen hat doch rapide zugenommen. Und die Qualität des Mobbings hat sich verändert. Man kennt die Berichte von brutalen Übergriffen, die per Handy-Kamera gefilmt werden - stolz an Freunde weitergeschickt werden und dann schließlich bei youtube und co auftauchen. Und neben den psychischen Schmerzen dann noch die Bloßstellung in der Öffentlichkeit hinzukommt.

Die Folgen sind zahlreich: viele gemobbte Kinder und Jugendliche ziehen sich zurück, treffen sich selten mit Freunden - ein echter Verlust an Lebensfreude. Außerdem treten bei gemobbten Kindern und Jugendlichen häufiger Bauch-, Rücken- oder Kopfschmerzen und Schlafstörungen auf.

Bei diesem Thema sind eindeutig nicht nur die Lehrer in der Pflicht - sondern vorallem auch die Eltern. Sobald Kinder sich seltener mit Schulfreunden treffen, plötzlich ungern in die Schule gehen und bedrückt wirken, sollte man aufmerksam werden. Aber auch wenn sich Eure Kinder unauffällig verhalten - habt Eure Kinder im Auge. Und wenn ihr feststellt, dass Euer Kind ein Täter ist: Holt Euch Hilfe! Falscher Stolz "Wir schaffen das schon alleine!" und möglicherweise noch unter Druck setzen des Kindes bringt da nichts. Überall in Deutschland gibt es kostenlose Beratungsstellen. Diese beiden Anlaufstellen sind nur zwei von vielen in Berlin:
- Jugendberatungshaus compass.mitte
- Familienberatung der Immanuel Diakonie in Berlin

Und Eltern... Ihr habt nicht alles in der Hand. Und viele Entwicklungen, die ein Kind und Jugendlicher durchmacht, können gar nicht oder kaum von den Eltern beeinflusst werden. Aber es gibt trotzallem vieles, was wir in der Hand haben. Also hört doch einfach auf, Eure Kinder darauf zu trimmen, immer der Beste zu sein (wie oft höre ich sowas auf dem Spielplatz...). Und bringt Euren Kindern bei, selbstbewusst und nicht selbstgerecht zu sein. Bringt Euren Kindern bei, die eigenen Bedürfnisse zu erkennen und zu akzeptieren - ebenso wie die Bedürfnisse des Kindes im Sandkasten gegenüber. Und lasst doch bitte, bitte Sprüche wie "Der Junge hat dir deine Schippe weggenommen und will sie nicht wiedergeben? Dann musst du ihm mal ordentlich auf die Finger hauen!" - "Das Kind hat mit Sand geschmissen? Dann schmeiss mal zurück, dann wird es schon sehen, wie das ist!"
Jetzt mal ernsthaft - das muss doch wirklich nicht sein.
Ich bin sowieso dafür, sich als Erwachsener soweit es geht aus Kinderbeziehungen rauszuhalten, damit Kinder sich miteinander ausprobieren können, soziales Verhalten spielerisch lernen können. Aber wenn man eingreifen muss, dann doch bitte unterstützend pro sozialem Verhalten. Und nicht unterstützend pro Ellenbogenverhalten.

Wednesday, June 10, 2009

Was in Kitas aufgetischt wird...

... kann das Eßverhalten maßgeblich prägen.
Denn das Geschmacksempfinden und Eßverhalten wird am stärksten in den ersten 3 Lebensjahren geprägt - natürlich kommt es auch danach noch drauf an, was den Kleinen aufgetischt wird.

Leider wird in Kitas nicht immer darauf Rücksicht genommen - und so kommen satt Zucker, Aromen, Geschmacksverstärker usw. auf den Tisch. Mehr Infos gibt es hier: "Lebensmittellobby kocht in Kitas mit".